Freitag, 27. September 2019

Bär und Kranich - Reales und Vorgestelltes



Dieser Beitrag reflektiert nur meine persönliche Meinung.

Als wissenschaftlich orientierter Mensch bin ich oft etwas hin- und hergerissen. Qigong und Taijiquan werden oft von "rational" denkenden Menschen in einen "esoterischen" Zusammenhang gesetzt und deshalb abgelehnt.
Nun möchte ich nicht behaupten, dass ich bis jetzt mehr als nur die Oberfläche von diesen Künsten wie Qigong und Taijiquan gestreift hätte, weshalb mir ein Urteil darüber eigentlich nicht zustehen würde.
Gerade jetzt, wo ich mich etwas intensiver mit dem Qigong des Bären und Kranich aus dem "Spiel der Tiere" beschäftige, stellt sich mir wieder diese Frage nach dem Realen und Vorgestelltem. Und wenn ich da etwa unsicher bin, gehe ich einfach noch mal einen Schritt zurück.

Bei meinem Zusammentreffen mit verschiedenen Lehrern und Meistern ist es mir bis jetzt immer gelungen, den für mich passenden Anteil an Wissen und Erfahrungen herauszuhören und den "esoterischen" Anteil "auf später" zu verschieben, um ihn nicht weiter beachten zu müssen.. Das ist irgendwie ignorant von mir, aber auch für mein Weiterkommen sehr wichtig.


Ich fange einfach mal an:
Meine Füße stehen schulterbreit, gerade ausgerichtet auf dem Boden. Ich beobachte und spüre, wie die Muskeln arbeiten. Sie sind etwas angespannt. Jetzt lasse ich sie los. Ich entspanne die Muskeln meiner Füße.


Einschub:
Wenn ich meine Faust balle, spanne ich die Handmuskeln an. Das kann ich sehr gut. Dann lasse ich sie wieder los, entspanne die Handmuskeln. Aber ich behalte die Form, die Struktur der Faust bei. Die Finger sind nicht schlaff, haben diese Struktur, um die Mitte herum geschlossen zu sein, in dessen Geborgenheit sich ein rohes Ei befinden könnte, ohne zerdrückt zu werden. Wenn ich das Gefühl beobachtet habe, wie es sich anfühlt, wenn ich die Faust entspanne und wirklich in meinen Gedanken mir vorstellen kann, wie sie entspannt, gelingt es mir meine scheinbar entspannte Faust noch weiter zu entspannen ohne dass sie ihre Struktur verliert...

Zurück zu den Füßen.
Hand und Fuß sind ähnlich.
Also stelle ich mir vor, meinen Fuß wie meine Hand anzuspannen und dann wieder zu entspannen, um ihn dann noch einmal zu entspannen.
Beim Fuß kommt hinzu, dass der Körper auf ihn lastet. Wenn ich den Fuß also schlaff werden lasse, falle ich wahrscheinlich um.
Also Struktur und Wohlspannung ausbalancieren.

Ich kann nun alle Muskeln von den Füßen ausgehend über die Beine, die Hüften, den Rücken, die Wirbelsäule hinauf, die Schultern, die Arme bis in die Hände und Finger auf diese Weise entspannen. In dieser Reihenfolge bilden sie eine Kette, die durch meinen Körper verläuft.
Das ist real für mich und hat nichts mit Esoterik zu tun.
Meine Vorstellung von dieser Kette ist mit der Entspannung meiner Muskeln verbunden.
Es gibt verschiedene Vorstellungsmodelle, die auf verschiedenen Bildern beruhen. Und doch denke ich, dass es sich oft immer nur um eine Metapher für das Entspannen der entsprechenden Muskeln handelt.

Wärme, Licht, Atem, ... immer wenn ich ein Bild auf meinen Körper projiziere, übersetzt das mein Körper für mich in entsprechende Muskel- an- und entspannung.
Wenn meine Füße mit dem Boden verbunden sind und ich mir ein Bild von Wurzel in den Boden vorstelle, entspannen meine Füße auf ganz spezielle Art, sind sie flexibel und haben Eigenschaften, die ich für meine Übungen benötige.

Ganz ehrlich, rational betrachtet, sind da keine Wurzel gewachsen. Wenn ich das behaupten würde, könnte ich mich sofort vom Gegenteil überzeugen, in dem ich einfach nachsehen würde.
Und doch muss diese Vorstellung auch etwas Konkretes sein. Erst dann fühlt sich mein Körper bereit dazu, es wirklich umzusetzen. Erst dann fühlt sich die Übung entsprechend so an, wie es sein sollte. Was bedeutet, das nur ehrliches Üben mit den entsprechenden Vorstellungsbilden auch zu den erhofften Ergebnissen führt.



Qigong, das große Wunder...
Ich behaupte nicht, man könnte meinen Arm aufschneiden um dann Qi darin fließen zu sehen.
Es ist eine Vorstellung für mich!
Und diese Vorstellung muss so konkret sein, dass sie real wirkt, damit der Körper entsprechend umsetzt, was ich mir an Übungen vorstelle.

Ich schweife ab, um zu erklären:
Wenn ich am Computer arbeite, benutze ich Programme, Fenster... Ich weiß, dass in der CPU keine kleinen Fenster, keine Bilder, Daten hin- und hergeschoben werden. Ich weiß, dass letztendlich nur "Spannung da" oder "Spannung nicht da" übertragen wird. Und das millionenfach in dieser CPU.
Nur so kann ich nicht arbeitet. Auf dieser tiefen Ebenen kann ich keine Schalter betätigen und Rechenoperationen ausführen.
Es gibt ein System, mit dem diese "Schalter" arbeiten, ein grundlegendes Programm, das abgearbeitet wird, das schon unmöglich zu bedienen für mich ist. Ich benutze also ein Betriebssystem, mit dem ich dieses grundlegende Programm bedienen kann, mit dem dann die elektronischen Schalter den Strom ja oder nein durch die CPU schicken.

Abschweifen beendet:

Was möchte ich damit zum Ausdruck bringen:
Qigong ist für mich die Vorstellung, das Betriebssystem, um meinen Körper auszurichten und zu bewegen.
Umgesetzt aus meinen bildlichen Vorstellungen in Muskel- an- und entspannung, die ich für jeden einzelnen Muskel nicht in der Lage wäre, selbst auszuführen.
Und das ist ein Wunder an Komplexität und Zusammenspiel aber eigentlich nicht übernatürlich.
Ich kann es mir vorstellen und die Bilder bewirken meine Struktur und Bewegung.

Und somit verschwindet für mich das Esoterische am Qigong und Tajiquan und wird durch etwas Vorgestelltes ersetzt, dass ich mir über lange Zeit immer wieder erarbeiten kann.
In dem Moment, wenn ich dann mit jemanden anderen zusammenkomme, erkenne ich dann, ob meine Vorstellung so viel Substanz hat, dass ich sie in Einklang mit meinem Körper verwirkliche.
Wenn mich jemand drückt, entspanne ich dann meine Muskelkette durch den Körper, spüre wie die entsprechenden Verbindungen  sich mit meinem Vorstellungsbild decken, so dass ich dem anderen dadurch nur geringen Widerstand entgegenbringe. Habe ich das entsprechende Vorstellungsbild von Qi in meinem Körper realisiert, als wirklichen Vorgang, der Vorstellung eines Bildes in der Struktur meines Körpers, ist das mehr als bloßes Ausrichten der Muskulatur.


Bär und Kranich sind für mich zwei komplementäre Vorstellungsbilder, die mir viel für mein Spiel im Taijiquan gegeben haben.
Der Bär, erdverbunden (schieb mal einen Bären weg...) und doch auch flexibel und beweglich auf seine spezielle Art, kombiniert mit dem Kranich, der verwurzelt und doch hoch aufgerichtet, nach oben verbunden ist, bewirkt, dass sich Bilder in mir erzeugen, die die Muskeln in meinem Körper so ausrichten, dass sie gerade die rechte Struktur für mich bilden, die für das Pushhands nötig sind.
Da ist kein Bär und kein Kranich in meinem Körper versteckt, wenn ich ihn aufschneiden würde. Und doch könnte man von außen betrachtet, diesen Eindruck gewinnen.


Resümierend habe ich für mich diesen Widerspruch, dieses Hin- und Hergerissen sein aufgelöst.
Ich kann also rational und mit dem Üben von Qigong und Taijiquan verbunden sein. Und wenn mir jemand etwas von einer Trennung erzählt oder wenn ich Märchen höre die real sein sollen, kann ich innerlich lächeln und meine Muskelketten entspannen, mich also zwischen Himmel und Erde als Verbindung zur Verfügung stellen ohne irgendwelche übernatürlichen Erscheinungen bemühen zu müssen.


Sonntag, 22. September 2019

Gaoshan




Ein sonniger Nachmittag verleiht dem Tee besondere Beachtung.
Jetzt im September ist die Sonne leichter, nicht mehr so fordernd mit ihrer Hitze.
Und doch sitze ich angenehm berührt von ihr hier draußen.
Welcher Tee passt nun zu diesem Moment?


Wir sitzen hier zu zweit und haben etwas Kekse für uns gebacken.
Leichtes Gebäck mit etwas Aprikosenmarmelade oben drauf.
Zuerst der Tee und dann erst die leckeren Kekse, um die Aromen nicht zu vermischen.


Der Tee, den ich wählte, ist so leicht, wie er hoch oben in den Bergen angebaut wurde, taiwanesischer Hochland Oolong, Gaoshan, schön verarbeitet, gerollt, nach fast nichts duftend aus der Tüte.


In meiner passenden Tonkanne für hellere Oolongs, lasse ich ihn kurz ruhen, die erste Wärme und Feuchtigkeit in diesem Kannenkessel aufnehmend, entdecke ich erste flüchtige Aromen, Kräuter, helle Früchte, …
So setzt es sich fort.
Der erste Aufguss, leicht, wenig Gehalt, aber schön klar, wie der Himmel an diesem Tag.
Der zweite dann etwas kräftiger, bestätigt die gerochenen Aromen beim Wecken.
Helle Aufgüsse verführen dazu länger ziehen zu lassen.
Doch ein gewisses Maß wird nicht überschritten werden.


Ich finde, man braucht etwas Zeit für diesen Tee… , etwas Ruhe um ihn zu entdecken. Er ist sehr leise, wenig deutlich, zeigt sich erst ohne Ablenkung und ist dann angenehm und ergiebig über viele Aufgüsse hinweg.
Wer laut schreiende Tees bevorzugt, wird hier vielleicht etwas enttäuscht sein, wird ihn vielleicht als zu leise empfinden, vielleicht etwas langweilig sogar.
Ich höre genau hin und erkenne die Aromen, schmecke die leicht grasigen Kräuter, die gelblichen Früchte, vielleicht etwas aprikosiges? – oder kommt das doch von den Keksen, die ich nicht länger wiederstehen konnte zu probieren …
Die Zeit vergeht mit jedem Schluck, es bleibt Zeit, die Sonne, den Garten zu genießen.


Die feuchten Blätter, typisch Taiwan Oolong, gut verarbeitet, schön entrollt, frisch grüne Farbe, lange Stiele … das sehe ich immer wieder gerne.


Zusammenfassend bleibt mir nur der Gedanke an einen schönen Nachmittag mit einem schönen Tee, der mich später wieder an dieses Szenario erinnernd lassen wird.




Donnerstag, 5. September 2019

Teefestival 2019 in Berlin



Das ist ein absoluter Werbebeitrag!

Es gibt wieder einTeefestival in Berlin! 

Ganz ehrlich, jetzt, wo ich meine Karten sicher habe, kann ich ganz offen darüber schreiben.
Ankündigungen gab es schon länger. Doch jetzt ist der Verkauf offiziell eröffnet. Und ich kann mir schon denken, dass alle Teeschalen bald vergriffen sein werden., die dazu berechtigen, sich mal "ordentlich" durch die Teevielfalt zu kosten. Und das ganz seriös, offiziell, ohne als Schnorrer dastehen zu müssen.
Nein, mal im Ernst. So viele Möglichkeiten, an einem Ort mit anderen Teeinteressierten zusammen zu kommen, gibt es eben nicht.
Das erste Teefestival für Berlin im vergangenen Jahr hatte mich so sehr begeistert, dass ich mir wünschte, es würde sich wiederholen.
Nun ist es also bald wieder soweit. (23.11.2019)


Ein Dank an alle Organisatoren, ganz besonders für diesen interessanten Ort, an dem das Festival stattfand und auch 2019 wieder geplant ist.
Ich freue mich schon darauf, bekannte Teeleute zu treffen und unbekannte kennen zu lernen, neue Teesorten zu probieren, von denen ich vorher nur gelesen oder gehört hatte und das Zubehör nicht zu vergessen, dass einige mitbringen werden. Teekannen und Schalen von verschiedenen Könnern geformt, auch wenn ich eigentlich schon alles habe, sind immer interessant anzuschauen und lassen in Versuchung führen.


Hier kann man sich umfangreich informieren und Karten für das Festival kaufen:


Das Programm wird wieder sehr umfangreich sein. Da findet bestimmt jeder was Interessantes zum Entdecken.


Mittwoch, 14. August 2019

Tee auf Reise




Auf einer Reise in die Ferne wollte ich nicht auf meinen Tee verzichten und bedachte mir schon vorher, was ich dafür mitnehmen wollte. Einfach sollte es sein, zweckmäßig, aber nicht ohne Komfort.
Deshalb entschied ich mich für das Set aus Teeschale, robust und Gaiwan in passender Größe, dazu den Teepiano, fall es einmal schnell gehen sollte.



Nach einer langen Reise mit dem Flugzeug, mit Zwischenstop und entsprechendem Frühstück bei Beuteltee, sollte es in meinem Hotel dann wieder „ordentlichen“ Tee geben. Nur war nirgends ein Wasserkocher zu finden. Ständig heißes Wasser in kleinen Tassen als „Zimmerservice“ zu bestellen oder in Lokale zu gehen, wollte ich auch nicht. Weshalb ich beschloss mir einen Wasserkocher zu kaufen. Also zog ich am Abend los, ahnungslos der Strecke die ich bei noch immer heißen Temperaturen, in fremder Umgebung, langsam dunkel werdend, zurücklegen würde. Aber nach einigen Fehlschlägen fand ich dann doch in einem großen Markt etwas Passendes, für nicht zu viel Geld und das beschleunigte den einstündigen Rückweg doch etwas.


Das Wasser selbst war durchaus trinkbar, entgegen früherer Ratschläge und das Ausweichen auf Quellwasser aus Flaschen deshalb unnötig.


Ja, was trinkt man denn so auf Reise für Tees?
Meist ist es so, dass ich nicht so hohe Ansprüche stelle. Und da finden sich oft auch Proben oder Reste, die einfach aufgebraucht werden sollten. Andererseits möchte man sich auch einmal etwas gönnen und vielleicht trinkt auch noch jemand mit.
Ich habe mehrere Sorten probiert, angefangen bei Oolongs aus Taiwan, die mir, dem heißen Wetter entsprechend, aber zu wärmend waren.


Schön fand ich dagegen junge gushu Puerh, leicht dosiert, mit mildem, frischem Aroma, anregend und würzig aber mit wenig Bitterkeit. Ohne großen Aufwand wollte ich am Morgen einfach etwas Tee genießen und nicht auf Details achten müssen.


Nebenbei ein Blick aus dem Fenster (11. Etage) über die Stadt hin, früh, noch in Ruhe, bevor es raus geht, in der Ferne die kahlen Berge der beginnenden Wüste.


Da ich in den ersten Tagen viel im Hotel selbst unterwegs war, habe ich mir dafür den Tee dann noch in den Teepiano umgefüllt, als leichten Aufguss und zwischendurch auch mal etwas mit heißem Wasser befüllen lassen. Durch die lange Ziehzeit wirkt der Aufguss dann recht dunkel, geschmacklich aber immer noch sehr angenehm, gerade bei Klimaanlage und sonst kalten Getränken.
Für draußen allerdings habe ich das in den späteren Tagen nicht weiter verfolgt, da bei Temperaturen um 40 Grad C. heiße Aufgüsse dann nicht mehr so interessant waren.
So vergingen die Tage mit verschiedenen Tees und trotz aller Abstriche war ich zufrieden mit meiner Auswahl.



Dieses Teeset, extra zusammengestellt, funktioniert einfach und lässt sich kompakt eingewickelt in einer runden „Apfeldose“ überallhin mitnehmen und ist im Flugzeug auch „handgepäcktauglich“.
Den Wasserkocher habe ich dann leichten Herzens einfach dagelassen, da er nicht mit unserer Netzspannung kompatibel war und preislich immer noch günstiger als überall Tee oder heißes Wasser käuflich zu erwerben.


Ich hatte mir sogar vorher einen besonderen Teeort ausgesucht, den ich besuchen wollte. In einem Hotel, chinesischer Art, sollte es einen eingerichteten Teeraum geben, wo man exklusiv hätte Tee trinken können. Ich war neugierig und hätte mir das gern einmal angesehen. Leider musste ich dann dort feststellen, dass gerade dieses Hotel schon seit 9 Monaten komplett geschlossen ist und das obwohl ich auf der dazugehörigen website vorher noch nichts davon gelesen hatte.

Donnerstag, 11. Juli 2019

Extreme




An meinem Teetisch habe ich schon verschiedene Methoden versucht, Tee aufzugießen.
Es ist nicht an mir zu bewerten, welche besser oder schlechter ist, mal davon abgesehen, dass es natürlich Möglichkeiten gibt, den Tee so zu malträtieren, dass er sich verweigert.
An einem Ende sehe ich die Möglichkeit, mit hoher Konzentration und kurzen Ziehzeiten, den Tee über ein breites Spektrum zu ziehen und in diesem Verlauf der Aufgüsse unterschiedlich lösbare Aromen aufzuspalten, so dass diese dann separat erfahren werden können.
Auf der anderen Seite steht dann der „Singelaufguss“, in dem alle Aromen zusammenfallen, verbunden mit einer niedrigen Konzentration und längerer Ziehzeit.


Ich habe mir gedacht, beide Extreme zu verbinden und einmal gleichzeitig zu beobachten.
Da habe ich also links die Tonkanne ( 45ml) mit 2,5 g eines Puerh aus Lincang von 2015, den ich gerade frisch eingekauft hatte.
Und da ist rechts der Gaiwan aus Porzellan, der mit 150 ml und gleicher Teemenge am anderen Ende steht.
Dazu kommt noch der Einfluss von offenporigem Ton und glasiertem Porzellan. Aber das blende ich aus, weil ich unvoreingenommen die Tees beobachten möchte.
Trinken werde ich dann aus zwei gleichen Porzelanschalen. Auch wenn ich natürlich weiß welcher Tee in welcher Schale ist, sollte wenigstens der Eindruck von Gleichheit vorhanden sein.


Der Puerh selbst, locker gepresst und angenehm zurückhaltend duftend, ist ein Gushu, der jetzt an der Entscheidung steht, ob er gelagert werden könnte oder als frischer Pu einfach ausgetrunken werden sollte. Bei meiner kleinen Menge lohnt es sicher nicht darüber nachzudenken. Aber ich wüsste ja, wo noch mehr von diesem Tee eingekauft werden könnten.


Für den blog ist dies der Moment, auch wenn ich den Tee mit beiden Möglichkeiten getrennt auch schon vorher gegossen habe, Tee genießen oder für den Bericht probieren sind immer zwei getrennte Bereiche, die dann letztendlich in diesen Text zusammenfließen.
Ich nehme heißes, kurz gekühltes Wasser, spüle beide Gefäße damit aus und lasse den trockenen Tee dann vorbereitend in den Gefäßen kurz ruhen. Der Duft dann zeigt schon etwas vom Charakter des Tees.
Der Gaiwan hat da einen geringen Vorteil durch seine große Öffnung und verströmt zarten Duft, lässt mich mehr Aromen entdecken.



Der erste Aufguss oft noch etwas undifferenziert in der Tonkanne, wegen der geringen Menge aber zu vernachlässigen, ist dagegen im Gaiwan schon die Summe dessen, was den Pu ausmacht. Nicht mehr ganz frisch, grün, mit einigen gerundeten Kanten, finde ich ihn angenehm und mit seinen kräutrigen Aromen wenig bitter.
Die nächsten Aufgüsse aus der Tonkanne, um „aufzuholen“ werden dagegen trotz sofortigem „Auf- und wieder Abgießen“, stark und auch „dick“. Und da ist auch eine leichte Astringenz an der Zungenseite und dem Gaumen.
Mir persönlich würden 2g vielleicht auch reichen, bei dieser Kannengröße. Aber der Versuch geht eben „extrem“ und deshalb „Kannenfüllung“.
Weitere Aufgüsse im Gaiwan zeigen den Tee von seiner bequemen Art, gleichbleibend und gut zu trinken, ohne besonders aufzufallen.
In der Tonkanne zieht sich der Verlauf etwas hin. Starke Aufgüsse, verzeihen das geringste Zögern nicht und ich habe viel zu tun, um in den Bereich zu kommen, wo der Tee etwas nachlässt und sich zurücknimmt. Dann wird er etwas süßer und bescheidener.


Jede Methode hat ihre Zeit und würde sie öfters ausgeführt, stellt sich, dank kleiner Anpassungen, ein Optimum ein.
Auch andere Tees habe ich auf diese Art, allerdings an verschiedenen Tagen, so probiert und mir für beide Varianten bestimmte, tagestypische Varianten erarbeitet.
Der Gaiwan ist gut für einen Tag geeignet, an dem ich einfach nur sein möchte, ohne dabei aber zu viel „arbeiten“ zu müssen. Dann ist der Tee selbst auch im Hintergrund aber nicht egal und ich beobachte mich oder meine Umgebung.
Die konzentrierte Methode mit der Tonkanne, ist mehr für den Tee selbst geeignet. Bekomme ich einen Tee zum Probieren, werde ich ihn meist auch konzentriert aufgießen, um zu sehen, wie er sich so zeigt.
Gute Tees verzeihen viel und zeigen in beiden Varianten ihre Besonderheiten, sind aber nicht ungeeignet für die eine oder andere Methode.

Ein schöner Versuch und mir bestätigend, was ich schon lange ahnte. Es gibt nicht „die“ Methode. Jede hat ihre Berechtigung zu ihrer geeigneten Zeit, verwendet zu werden.