Freitag, 5. März 2021

10 000 Wiederholungen oder 4

10 000 Wiederholungen sind weniger als eine korrekte Bewegung.

Obwohl diese 10 000 nicht verschwendet sind, sind sie höchstens der Weg hin zu dieser einen, korrekten Bewegung.

Und so muss ich auch diesen Gedanken verwerfen, der die Menge der erzeugten Bewegungen für wichtig erachtet.

4 Wiederholungen einer Figur beim Qigong, korrekt ausgeführt, mit dem Atem verbunden, fließend und mit entwickelter Vorstellungskraft, es fällt mir schwer, das höher zu schätzen als ein Set von unendlichen Wiederholungen

- . . . -

und doch ist es so.

Wiederholungen jenseits der 4 sind selten so korrekt wie die erste - Beginnende, die zweite - Korrektere, die dritte - "jetzt wird es gut" und die vierte - in höchster Vollendung.

Danach lässt es oft nach mit der Konzentration und den Verbindungen im Körper.

Mein Bewusstsein steigt dann nach oben in den Kopf und erzeugt damit "obere Fülle"

Ein kurzer Moment der Beruhigung, des Sinken Lassens, gibt mir die Basis, die Verbindung zum Boden zurück, bevor ich die nächste Übung beginne.

4 Bewegungen, regelmäßig, ja, täglich korrekt ausgeführt, entwickeln meinen Körper, entwickeln meine Muskeln und Faszien zu einem verbundenen Ganzen, das meine Aufmerksamkeit durchwandert, Irritationen, Spannungen erkennend und auflösend.

Geht der Atem mit der Bewegung oder geht die Bewegung mit dem Atem?

Beides ist möglich und letztendlich löst sich diese Frage dann auf.

Aber bis dahin geht es so oder so voran.

Da ist die Gefahr einer Täuschung!

Mein Atem kann mit der Zeit tiefer und länger werden.

Oder ich folge den 10 000 Wiederholungen und mein Atem wird kürzer und oft flacher auch.

Meine Wahrnehmung der Zeit verändert sich, je nachdem, wie ich mich bewege und darauf achte. Und damit fällt mir die Veränderung meines Atems, diese Verkürzung und Abflachung nicht auf.

Eine Korrektur wird nötig.

Wer gibt sie mir?

Die Begrenzung auf 4 Wiederholungen gibt mir die Zeit und die Muße, dies sehr genau zu beobachten.

Ich kehre zurück zum Beginn und frage mich wie ein Anfänger:

Was ist korrekt?

Beobachte mich selbst, ob es innen so ist. wie es nach außen hin scheint.

Jedes Mal, dass ich mich bewege, aufs Neue, frage ich mich, beobachte, wie alles zusammenhängt, reguliere mich und meine Bewegungen dahingehend.

Taijiquan, eine Form laufen, die "Lange" vielleicht, mit allen Vorstellungsbildern darin, Bewegung und Atmung verbunden, regelmäßig, mehr bedarf es dann nicht.

Die Gefahr ist möglich, Fleiß in  meinen Bemühungen mit Fleiß in der Menge zu verwechseln.

Und damit bin ich wieder am Anfang, den Kreis neu beginnend.

Sonntag, 10. Januar 2021

Ruby Hong Cha

Für dieses Mal hatte ich mir einen Tee vorgenommen, der schon einige Tage bei mir lag, weil ich entsprechende, angefangene, ähnliche "Teereste" erst einmal aufbrauchen wollte. Außerdem möchte ich den Anlass soweit ausdehnen, dass ich nun ja auch angemessen auf die Quelle eingehen kann, da der dazugehörige Tee Shop (online) bereit ist, um diese Tees zu verkaufen.

Dem Wetter und der Jahreszeit entsprechend habe ich einen wärmenden Tee ausgesucht, den ich so schon auch kannte und als angenehm empfinde.

Aber ich versuche trotzdem immer einen Blick auf meine Probe zu werfen, als wenn sie völlig neu und unbekannt für mich wäre.

Dieser Tee hier ist aus Taiwan, wo viele schöne Oolongs herkommen. Und ganz am Ende dieses Spektrums, hin zur dunkeln Seite finden diese mit dem Hong Cha ihren Abschluss. So sehe ich das jedenfalls.

Hong Cha, gut verarbeitet, hat für mich auch nur noch wenig mit dem allgemein hier verbreiteten "Schwarztee" zu tun.

Schon wenn ich die trockenen Blätter betrachte, die wirklich als Blätter zu erkennen sind und für sich schon einen leichten Duft nach sauberen, rötlichen Aromen verströmen, liegen da Welten zum möglichst CTC verarbeiteten "Schwarztee".

Ich mag diese Tees mit den größtenteils kompletten Blätter und kann so schon vor dem Trinken etwas über deren Qualität erfahren.

Dazu habe ich ein Set aus einer Tonkanne ca. 120 ml und dem Aufguss für Zwei gewählt. Diese Kanne hat schon öfters mit solchen roten oder ähnlich dunklen Oolongs gearbeitet.

Nach dem Spülen der Kanne verströmen die warmen Blätter in ihr einen schönen intensiven Duft nach Kräutern, Gewürze und zitrusartigen Früchten, kombiniert mit diesem "Hongcha" speziellem Aroma.

Ich nehme 5 g und gieße fast heiß auf.

Deshalb lasse ich auch nur kurz ziehen, die Zeit, die diese Kanne zum Ausgießen benötigt, mit eingerechnet.

Sofort sehe ich die interessant rötliche Färbung, weit ab von diesem dunklen "Schwarz".

Der erste Aufguss, wie erwartet noch etwas zurückhaltend aber schon mit diesen schönen Aromen, die sich dann in den weiteren steigern.

Der Schluck ist weich und rund, sehr geschmeidig am Gaumen und im Hals, dabei vollmundig, mit den schon oben erwähnten Aromen, wie Kräuter und Gewürze, die etwas zu Weihnachten passen würden. Dazu etwas Fruchtiges wie Orangen oder Bergamotte, bekomme ich von meiner Teegesellschaft gesagt. Dieser Tee ist schon wärmend beim Trinken und auch später energetisch und wärmend stark zu spüren. Und alle diese Aromen sind sauber und klar ohne zu kratzen oder bittere Anteile zu beinhalten.

So sitze ich nun und gieße immer wieder auf, mich zurücklehnend und durch das Fenster dem ungemütlichen Wetter nachsehend. Der Tee ist ergiebig und macht Spaß beim Gießen.

 

Formosa "Ruby" Hong Yue auch als Nr.18 bekannt aus Taiwan.

 

Und den habe ich aus dem " TEEPAVILLON", den ich hiermit auch einmal erwähnen möchte und von dem  ich in Zukunft noch viele gute Tees erwarte.

Die Inhaberin ist mir schon einige Zeit wohl bekannt und längere Zeit auch im Teegeschäft unterwegs, so dass ich aus ihrer Hand oder von ihr empfohlen, schon einige gute und bemerkenswerte Tees aus Taiwan genießen konnte, weshalb der Ansatz ein "neuer" online Teeshop nur in sofern zutrifft, als dass sie jetzt diesen Schritt gewagt hat.

Und ich bin neugierig, wie es dort weitergehen wird und welche Tees ihr Angebot bereichern werden.


Irgendwann später lässt er nach und wird leichter, die Farbe des Aufgusses heller und ich verabschiede mich angeregt und frisch von diesem Tee und wende mich gut gelaunt anderen Dingen zu. Natürlich werde ich diesen Tee auch einmal in neutralem Porzellan aufgießen um zu sehen wie er sich dort macht.

Und auch hier gießt sich dieser Tee auf sehr angenehme Art. Der Duft aus dem Gaiwan auch sehr klar und noch fruchtiger. Grüne Haselnüsse bekomme ich von meiner Teegesellschaft noch zugerufen. Somit wird dieser Tee nicht lange bei mir liegen.

Hier noch der link zum Shop:

https://teepavillon.com/



Samstag, 2. Januar 2021

24er Taijiquan - 2 - Ball halten und öffnende Bewegung

 



Einleitung:

 

Die 24er Form des Yang - Stil - Taijiquan lernte ich als erstes und bewege sie auch heute noch, sowohl allein als auch mit anderen zusammen.

Über die Zeit hin habe ich sie entwickelt, mit anderen Ideen verbunden und versucht für mich zu erforschen, wie sie von innen her funktionieren könnte.

In dieser blog - Reihe geht es mir nicht darum, eine Anleitung zu schreiben. Vielmehr werde ich meine Gedanken, Beobachtungen und alles, was mir bemerkenswert erscheint, einfach niederschreiben.

Es gibt genug Anleitungen, von denen einige als Empfehlung ganz unten aufgelistet sind.

Es ist möglich die Form einfach so zu laufen. Oft bewege ich aber auch eine Figur aus der Form nur für sich, immer wieder im Kreislauf für die "linke" Seite genauso wie für die "rechte" Seite, damit alles symmetrisch ist.

Genauso ist es für mich keine Frage; dass ich die Form in beiden Richtungen laufe, obwohl ich hier in meiner Beschreibung, mich nur mit einer Seite, die in der Literatur meist beschriebene, beschäftige.

 Kurzer Ablauf:

 Die Mähne des Wildpferds teilen

 Ballhaltung rechte Hand oben

Schritt nach links

Gewicht nach links verlagern und Arme öffnen

Gewicht zurück nach rechts verlagern

Übergang zur nächsten Figur (Ball halten linke Hand oben)


Lange Erklärung: 


Die erste Bewegung diente etwas der Einstimmung und der Beruhigung des Atems.

Nun fange ich an.


Während ich durch mein linkes Bein in den Boden verwurzele, wird meine rechte Seite leicht und ich schließe sie etwas. Dadurch dreht sich mein rechter Fuß "scheinbar" etwa 45 Grad nach link und mein rechter Arm beginnt nach oben zu steigen. Dabei erkenne ich eine Entspannungskette aus meinem linken Fuß durch meinen Körper bis in die rechte Hand. Und auch mein linker Arm, die linke Hand fängt etwas an zu schließen. Ich empfinde das als relativ kurze Bewegung.

Und damit beginnt die Abfolge von "scheinbaren" und wirklichen Bewegungen, die es zu unterscheiden gilt.

Hände und Füße, Arme und Beine, Hüfte und Schultern sind gedanklich miteinander verbunden. Und mein Körper ist dazwischen angeordnet und verbindet die Extremitäten.

Während man als Beginnende(r) versucht alle Arm- und Beinbewegungen überdeutlich nachzumachen, geht diese Bewegung später dann immer mehr nach innen und wird aus der Mitte heraus bewegt. Wenn ich also nicht so genau hinsehe, bewegen sich die Ame und Beine immer noch, aber in Wirklichkeit nur noch sehr gering Horizontal, weil sie verbunden bleiben und eher Vertikal.

Also bewegt sich gerade mein ganzer Köper nach links diagonal, was ich durch ein Sinken in meine linke Hüftfalte (kua) initiiere.

Nun verlagere ich zurück auf meinen rechten Fuß und schließe dabei meine Arme kreisförmig vor meiner rechten Körperseite, die Handflächen zueinander gewendet, die rechte Hand oben, die linke Hand unten, etwa so als würde ich einen Ball halten. Für mich wirklich ein Gefühl, als wenn ich meine Arme um etwas herum legen würde, vielleicht einen mittelgroßen Baum. Es ist eine elastische Bewegung, umschließend und doch auch immer mit etwas Gegensätzlichem, in dem Fall Öffnendem verbunden.

Dazu wird mein linker Fuß leer und leicht, so dass er sich hebt und ich ihn leicht mit der Fußspitze neben meinem rechten Fuß aufsetze. Das ist eine schließende, verwindene Bewegung in meinem linken Bein, die noch sehr oft zu erkennen ist, und dann im Loslassen zum Schritt führen wird.

Ich denke mir, dass es „bequeme“ Haltungen gibt, die ich gern einnehme und in denen ich auch entspannt stehen kann. Davor gibt es dazu eine innerlich verwundenen Struktur in meinem Körper, die ich erzeugen kann, damit sie den folgenden Schritt einfach so geschehen lassen kann. Von der Vorstellung her, als wenn ich einen Ball drücke, das ist die Vorbereitung, um ihn dann loszulassen, so dass er wieder seine eigentliche Form einnehmen kann, was die eigentliche Bewegung bedeutet.

Nun setze ich diesen Schritt nach links zur Seite. Ich sinke etwas innerlich durch mein rechtes Bein in den Boden. Nun öffnet sich mein linkes Bein zur Seite und ich setzte meine Ferse auf. Das ist etwa eine Fußlänge neben dem rechten Fuß und etwas 3 Fußlänge vor dem rechten Fuß, der sogenannte Bogenschritt. Und auch das ist wieder eine Haltung, die ich so lange einnehme, bis sie mir so bequem erscheint, dass ich sie gern einnehme, mein Körper von selbst dahin strebt. Deshalb ist es anfangs nur gezwungen möglich diesen Schritt so weit seitlich und nach vorn zu setzten. Im Sinne der entspannten Bewegung, denke ich, sollte ich den Fuß nur so weit setzten, wie der Schritt sich natürlich weitet, was mit der Zeit immer etwas weiter wird. Vermeiden sollte ich, dass ich mich durch meinen rechten Fuß abdrücke, um mit den linken Fuß noch weiter nach außen zu kommen. Ich sitze also ganz entspannt aber mit Struktur in diesem rechten Bein drin, bevor ich mein Gewicht verlagere.



(Das folgende muss korrigiert werden, weil es so scheint, als wenn das Verlagern vor dem nach links wenden kommt!!!)

(Nun verlagere ich mein Geweicht in meine linke Seite wodurch sich mein Körper nach links vorn bewegt, immer noch kein Abdrücken durch meinen rechten Fuß.

Kann ich wirklich durch den Quellpunkt im linken Fuß in den Boden wurzeln, ist mein Körper dann genau darüber ausgerichtet, bin ich auch nicht zu weit nach vorn gegangen? Und damit steht mein rechtes Bein immer noch entspannt auf dem Boden ohne Gewicht darin.)verschieben

Durch mein Sinken in meine linke Hüftfalte wendet sich nun mein Körper zur linken Seite und nimmt meine Arme mit. Es sieht so aus, als wenn ich meinen linken Arm scheinbar diagonal noch vorn oben steigen lasse. Meine Handfläche wendet sich dabei zu mir hin. In Wirklichkeit ist es eigentlich mehr eine vertikal steigende und  nur ganz leicht etwas öffnende Bewegung durch Schulter, Ellenbogen und Handgelenk. Dieser Arm hat nun eine deutliche Rundung und befindet sich so vor meinem Körper, dass die Hand in Schulterhöhe und mein Handgelenk etwa mit der Mittelache ausgerichtet ist.

Meine rechte Hand ist in der gleichen Zeit nach unten gesunken und auch dort haben sich die Gelenke ganz leicht geöffnet obwohl es in Wirklichkeit eine eher schließende Bewegung ist.

Ich verlagere mein Gewicht zurück durch mein rechtes Bein in den Boden.

Da meine linke Hand innerlich mit meinem linken Fuß verbunden ist, bleiben beide in der gleichen Ebene vor meinem Körper und es vergrößert sich nun der Abstand zwischen Hand und Körper, weil dieser zurückgeht. Also der Kreis meines linken Armes bleibt gerundet und wird größer.

Scheinbar öffne ich nun als nächstes meine linke Seite, wodurch mein linker Fuß sich diagonal 45 grad nach links öffnend. In Wirklichkeit öffnet sich mein rechtes Hüftgelenk, so dass mein ganzer Körper und der linke Fuß sich diagonal nach links öffnet. Diese Erkenntnis triff mich immer wieder mit Wums und ich muss mich frage ob ich es wirklich selbst immer so bewege.


 

Nun schließen ich ab und das im doppelten Sinne, denn ich schließe meine linke Seite um so in die vorbereitete Stellung für die Figur nach rechts zu kommen. Ich drehe meinen linken Arm so, das meine linke Handfläche nach unten zeigt und führ meine rechte Hand mit nach oben gewendeter Handfläche darunter, als wenn ich einen Ball halten würde. Mein rechter Fuß löst sich, weil mein Gewicht durch meinen linken Fuß in den Boden sinkt und stellt sich leicht mit der Fußspitze neben mein linkes Bein.

Und damit ist die Figur "Die Mähne des Wildpferds teilen, nach links" auch abgeschlossen und ich würde mit der nächsten "Die Mähne des Wildpferds teilen, nach rechts" weitermachen, die ich allerdings hier nicht extra beschreiben werde. Wie auch später in anderen Beiträgen gilt es nur "rechts" durch "links" auszutauschen.

 

Weitere Übungen:

 

Einzeln bewegt, fallen mir Übungen ein, die vorbereitend für diese Figur bewegt werden können.

Ohne Schritt schließe ich meine Arme vor dem Körper abwechselnd linke oder rechte Hand oben zur Ballhaltung, mit dem Gewicht auf dieser Seite wo sich der Ball befinden würde oder auf der anderen Seite.

Oder ich schließe meine Arme zur Ballhaltung, setze den Schritt, verlagere nach vorn, öffne dann meine Arme wie oben beschrieben, um dann nach der Endstellung meine Handflächen zueinander zu drehen und dann mein Gewicht zurück nach rechts verlagernd meine Arme schließen, meine linke Hand nach oben wieder zur Ballhaltung zurück zu kommen. Dann verlagere ich mein Gewicht auf die linke Seite und wiederhole diese Bewegung zur anderen Seite.

Diese Übungen kann ich dann im Kreislauf über längere Zeit bewegen und so auch Atmung und Bewegung gut zusammenführen.

 

Anwendungen: 



Als Partnerübung würde ich erst einmal nur die erste öffnende Bewegung üben. Dazu stehen sich beide Partner im Bogenschritt gegenüber und öffnen dann gleichzeitig ihre zum Beispiel linken Arme, wenn sie mit ihrem linken Bein vorn stehen, die dann "Kontakt aufnehmend" aneinander stoßen. Dabei sollte in diesem Moment nicht rohe Kraft gegeneinander wirken. Bei zu viel Kraft würden die Arme mit den Händen einfach immer weiter nach oben steigen, bis sie sich irgendwann einfach wieder voneinander trennen. Sind die Kräfte ausgeglichen, können beide einfach noch einmal nach unten sinken und sich weiter verbinden.




Wenn ich mir vorstelle, dass mein Partner mir einen Fauststoß anbietet, z.B. mit seiner linken Hand, dann gehe ich ihm einen Schritt entgegen, mit meinem rechten Fuß und führe die Figur mit steigendem rechten Arm aus. In dem Moment der Kontaktaufnahme zu seinem rechten Arm, entscheidet sich, wohin die Bewegung geht. Ist der andere sehr stark, lasse ich mich zurück nach links hinten verlagern und lasse gleichzeitig meinen Arm mit meiner Handfläche nach außen drehen. Jetzt ist der andere schon sehr nah und ich lasse ihn seitlich rechts an mir vorbei. Meine linke Hand ist zum Schutz immer mit aktiv dabei.

Sollte der Partner zu stark drücken, werde ich wohl meinen rechten Fuß einen Schritt zurücksetzen, um den anderen an meiner rechten Seite vorbei zu lassen.

Sollte der Partner allerdings zu stark zu meiner linken Seite hin stoßen, werde ich auf meinem vorderen, rechten Fuß bleiben und lasse meinen Körper einfach nach links rotieren um den anderen auf diese Art, einfach an meiner linken Seite vorbei zu lassen. Dabei könnte dann meine linke Hand auch seine rechte Faust übernehmen und weiterleiten.



Diese Art der gleichseitigen Abwehr (linke Hand des anderen mit der eigenen rechten Hand) birgt immer die Gefahr, dass der andere sofort mit seiner anderen Hand nachstößt. Deshalb ist meine linke Hand immer bereit und ich lasse sie nicht so tief sinken wie in der Form üblich. Dann kann ich sofort mit einer zweiten Figur zur linken Seite nachsetzen.



„Angenehmer“ wäre es eigentlich, wenn ich mit meiner rechten Hand auf einen rechten Fauststoß des Partners reagieren würde. Dann schließe ich seinen gesamten Angriff ab, weil er keinen Arm mehr frei hat. Darauf werde ich dann später bei der Figur " Den Spatzenschwanz fangen" in der Anwendung näher eingehen.

 Sollte der linke Fauststoß des Partners sehr tief kommen, so bietet sich die zweite Möglichkeit der Figur an. Ich lege meine rechte Hand auf seinen Arm und lasse meinen linken Arm unter seine Achselhöhle steigen. Man könnte nun denken, dass ich den Partner auf diese Art aushebeln würde. Aber in Wirklichkeit nehme ich nur Kontakt zu ihm auf. Der Partner erkennt, dass er zu weit gegangen ist und wird sich zurückziehen, worauf hin ich einfach dran bleibe und es so aussieht, dass ich ihn ausheble. Ich spüre, in welcher Richtung der andere instabil und leicht zu entwurzeln ist.

Oder er ist so stark nach vorn gerichtet, dass ich mich dem nicht in den Weg stelle werde und ihn versuche einfach rechts an mir vorbei zu führen. Meine Arme sind dabei der Rand meines Schutzfeldes, an dem er, mich seitlich rotierend, sich selbst ableitet.

Zusammenfassung:

 Je intensiver ich mich mit der Bewegung beschäftige um sie hier aufzuschreiben, um so mehr Details fallen mir auf und ich muss einige Dinge auch immer wieder hinterfragen ob ich sie selbst auch wirklich selbst so bewege oder nur denke, dass es so wäre und in Wirklichkeit eher ungenau darüber hinweg gehe.

 Quellen:

Als Buch:

 „Taijiquan“ chinesisches Schattenboxen, Kurze Peking – Form von Foen Tjoeng Lie

Mit vielen Bildern und Poster für den gesamten Ablauf ist das meine persönliche Wahl.

Online:

 Anleitung gezeichnet:

https://www.taiji-qigong-akademie.de/download/Pekingform.pdf

 Text und animiert Guna Grisel

https://www.yumpu.com/de/document/read/34404108/2-taijiquan-form-mit-24-sequenzen-instructor-zone

http://www.instructor-zone.de/taiji24erform.html#19

Video:

https://www.youtube.com/watch?v=eNnA4E6NLDU

von hinten:

https://www.youtube.com/watch?v=3whnk7x7rls

https://www.youtube.com/watch?v=e4VIw41R-PU

Und es gibt noch viele weitere da draußen.

Sonntag, 13. Dezember 2020

24er Taijiquan - 1 - Arme heben

Einleitung: 

Die 24er Form des Yang - Stil - Taijiquan lernte ich als erstes und bewege sie auch heute noch, sowohl allein als auch mit anderen zusammen.

Über die Zeit hin habe ich sie entwickelt, mit anderen Ideen verbunden und versucht für mich zu erforschen, wie sie von innen her funktionieren könnte.

In dieser blog - Reihe geht es mir nicht darum, eine Anleitung zu schreiben. Vielmehr werde ich meine Gedanken, Beobachtungen und alles, was mir bemerkenswert erscheint, einfach niederschreiben.

Es gibt genug Anleitungen, von denen einige als Empfehlung ganz unten aufgelistet sind.

Es ist möglich die Form einfach so zu laufen. Oft bewege ich aber auch eine Figur aus der Form nur für sich immer wieder im Kreislauf, für die "linke" Seite genauso wie für die "rechte" Seite, damit alles symmetrisch ist. Genauso gibt es für mich keine Frage, dass ich die Form in beiden Richtungen laufe, obwohl ich hier in meiner Beschreibung, mich nur mit einer Seite, die in der Literatur meist beschriebene, beschäftige.

 Kurzer Ablauf:

Grundstellung

Schritt zur Seite

Arme heben

Arme senken

 Lange Erklärung: 

Schon in der ersten Figur ist alles enthalten. Grundlegende Prinzipien wende ich an, die sich im weiteren Verlauf immer wiederholen werden.

Ich stehe, aufgerichtet, von oben hängend, mit geschlossenen Beinen, die Füße an den

Fersen zusammen und vorn eine Hand lang geöffnet.

Meine Struktur entwickelt sich in einer Welle von den Füßen her durch die Beine, den Rücken hinauf, durch den Hals bis in den Kopf und darüber hinaus. Meine Arme hängen an den Seiten herab aber nicht schlaff, sondern aktiv, mit etwas Platz unter den Achselhöhlen. Mein Steißbein setzt sich natürlich nach unten und begradigt dadurch etwas meinen unteren Rücken.

So kann ich etwas stehen und mich beobachten, ob ich entspannt bin, aufgerichtet und wirklich ein klein wenig sitzend.

 Dann geht es los. 

Ich sinke etwas in meinen linken Fuß. Das ist die Seite, zu der ich mich später bei meiner zweiten Figur hin wenden werde. Also in diesem Moment entscheide ich mich für die Richtung, in der ich die Form laufen werde. In dem ich sinke und meine Gelenke entspanne, ohne dass der Raum in ihnen verlohren geht, entsteht eine leichte Drehung des Körpers in der Hüfte nach links. Das ist eine ganz kleine Bewegung. Gleichzeitig schließt meine gesamte rechte Körperseite. Dadurch stellt sich mein rechter Fuß gerade und mein rechter Arm beschreibt einen kleinen Kreis entgegen der Uhrzeigerrichtung, wodurch meine Handfläche, die vorher zum Bein zeigte nun nach hinten ausgerichtet ist.

Ein Prinzip, das sich für mich durch die ganze Form zieht ist, dass ich einen Fuß nur bewege, wenn kein Gewicht auf ihm lastet.

Nun verlagere ich mein Gewicht auf diesen rechten Fuß, sinke in den Boden und verwurzeln mich stark.

Ich bin verwurzelt und aufgerichtet zugleich.

Mein linkes Bein wird leicht und der linke Fuß löst sich vom Boden. Wie von selbst setzt sich ein Schritt breit zur Seite mit einer Fußlänge oder Schulterbreite, wobei sich der Fuß selbst gerade nach vorn ausrichtet.

So könnte ich etwas stehen und die Ausrichtung meines Körpers beobachten.

Oder ich beobachte meinen Atem, wie er gleichmäßig ein- und ausströmt.

Dann beginne ich.

Das "Kauern vor dem Sprung" ist ein weiteres Prinzip, dass sich durch die gesamte Form zieht. Eine scheinbar "gegenläufige" Bewegung, ein Schließen vor dem Öffnen, ein Sinken vor dem Steigen, das Sammeln vor dem Ausstoßen.

Ich löse also meine Muskulatur, ohne schlaff zu werden, sinke leicht und atme dabei aus. Ganz besonders an den Handgelenken ist dieses Sinken zu sehen.


Dann lasse ich los und eine Welle steigt durch meinen Körper und lässt meine Arme heben. Da gibt es mehrere Vorstellungsbilder. Ich könnte mir einen Ball unter meinen Armen vorstellen der steigt oder sie sind an Bändern befestigt, die nach oben gezogen werden. Die Muskeln in den Schultern und Armen sind entspannt und obwohl sie arbeiten ist es eher ein Bewegen lassen. Meine Schultern selber bleiben gesunken, was zu Beginn der größten Aufmerksamkeit bedarf.

Meine Arme steigen bis Schulterhöhe und meine Hände sind leicht gerundet und folgen obwohl sie auch Struktur haben und meine Gedanke durch sie in die Ferne reichen.

Das ist auch ein Prinzip, dass ich immer weiter in den Raum hineindenke als meine Arme und Beine reichen.

Ich stelle mir vor, dass ich mit meinem Oberkörper vorn nach unten hänge und meine Arme genauso einfach runter hängen. Und dieses Gefühl in den Armen, kann ich mir genauso vorstellen, wenn ich meine Arme nach vorn anhebend, "hängen" lasse.

Dabei habe ich eingeatmet. Mein Atem fließt leicht und gleichmäßig. Und die Abfolge der Bewegungen richtet sich nach diesem. Und damit kann die Bewegung nur so langsam sein, wie ich den Umfang meiner Atmung entwickelt habe. Das gilt, wenn ich mich allein bewege. In der Gruppe passe ich mich der Bewegung der anderen an und entwickle auch so entsprechend meinen Atem.



Und dann entsteht die nächste Kette aus den Füßen durch meinen Körper und zieht meine Arme langsam wieder zurück in sich und nach unten. Da ist ein gleichzeitiges Sitzen im unteren Rücken und in den Ellenbogen. Bei den Anwendungen dann werde ich sehen, dass das eben nicht eine Bewegung des Armes selbst ist sondern ein Sinken durch den Körper. Denn wenn sich nur die Arme bewegen würden, müsste mein Körper ja fest sein, damit der Arm sich an dieser Befestigung bewegen könnte. Sinkend und Ausatmend, gelangen so meine Arme wieder neben dem Körper, so wie sie gestartet sind.

Weitere Übungen: 

In Abwandlungen, wenn ich diese Figur einzeln bewege, kann ich variieren.

Ich hebe meine Arme und wenn sie waagerecht nach vorn reichen, lasse ich die Hände weitersteigen und von der Vorstellung her, meine Ellenbogen nach vorn fallen. Meine Hände steigen so bis sie ihr Maximum erreichen und sinken dann wieder nach unten. Immer versuche ich eine „runde“ Bewegung zu erreichen.

Ich kann auch in kleinen Kreisbögen meine Arme über Außen, also öffnend nach oben steigen lassen und über Innen, also Schließend nach unten sinken.

Auch umgekehrt ist es möglich über Innen, schließend meine Arme steigen zu lassen und über Außen, öffnend sinken sie wieder nach unten.

Diese öffnenden und schließenden Bewegungen kann ich mir auch innerlich vorstellen, wenn ich meine Arme einfach nur gerade nach vorn, oben steigen lasse.

Immer ist meine Atmung mit meiner Armbewegung verbunden. 

Anwendungen:



In den Partnerübungen stelle ich mir vor, dass der Partner seine Arme auf meine legt, wenn ich sie steigen lasse. Und unter meine Arme wenn ich sie sinken lasse. Nur leicht und so, dass ich diese mühelos bewegen kann.


 

Die Vorstellung wäre, dass der andere die Absicht hat, mit seinen  beiden Händen gleichzeitig an meinen Hals zu greifen. In diesem Fall würde ich ihm einen Schritt entgegengehen und meine Arme heben. Wenn unsere Arme dann Kontakt haben, entscheidet sich, wie es weitergeht. Ich lasse nicht Armkraft gegen Armkraft wirken. Geht der andere vor, werde ich mich zurück schieben lassen. Aber meine Arme kommen zwischen seine hindurch. Und dadurch würden seine Hände an meinem Hals vorbeigreifen. Da der andere das merkt, wird er sich wahrscheinlich zurückziehen, so dass ich in dem Fall mitgehen kann und meine Arme, die jetzt auf seinen liegen, einfach wieder sinken lasse.

Es könnte auch sein, dass der ander so stark vorgerückt ist, dass meine Hände dann auf seinem Oberkörper zu liegen kommen, bevor er anfängt sich zurückzu ziehen und ich so meine Hände und Arme sinken lassen, was nach außen hin oft falsch gesehen wird, als wenn ich den anderen von mir stoßen würde. Wenn ich es gut kann, sinke ich nur und der andere fällt von selbst aus seiner Struktur und nach hinten. Würde ich tatsächlich stoßen würde ich unter Umständen selbst aus meiner Blance geworfen werden, falls der ander plötzlich nachgibt und leer wird. 

Zusammenfassung:

 Steigen und Sinken, sowohl äußerlich aus auch im Inneren ist der Hauptaspekt. Wenn ich meine Arme hebe und senke, ist Außen und Innen mit meiner Atmung verbunden..

Für mich ist diese erste Figur schon sehr wichtig und ich bewege sie so oft es sich anbietet, und auch beim Qigong.

Die gesamte Form laufen ist wichtig. Aber sich mit den Details zu befassen macht erst die Meisterschaft aus. Gerade in diesen fast monotonen, langweiligen, Wiederholungen liegt das Potential, diese Details zu entwickeln und tiefer, innerer zu beobachten und verändert.


Erweiterung als Nachtrag: 17.12.2021

Arme heben als peng, lu, ji, an

Ich stehe schulterbreit.

Arme heben, einatmen, ein Gefühl, als wenn der Raum unter den Armen anschwellen würde, "peng"

Sind die Arme waagerecht, folgt "lu", zurückrollen, in die Kua sinken und da ich parallel in beide sinke, ziehen sich dadurch beide Arme gleichzeitig zurück, meine Ellenbogen bleiben gehoben und "fallen" nach vorn.

Jetzt "ji", also ausdehnen meiner Handflächen nach vorn, elastisch und gerichtet zum anderen hin und im Körper verbunden, beginnend auszuatmen. Nicht zu weit nach vorn stoßen, gerichtetes "peng"

Dann "an" also sinken nach unten der Handballen, verbunden mit den Kua nach innen.

Ein Partner kann helfen beim Heben, in dem seine Hände oben, auf den Handrücken liegen und beim Sinken unter den Handflächen liegen. Nur leichten Widerstand leisten, damit der Übende mühelos bewegen kann.



Quellen:

Als Buch:

 „Taijiquan“ chinesisches Schattenboxen, Kurze Peking – Form von Foen Tjoeng Lie

Mit vielen Bildern und Poster für den gesamten Ablauf ist das meine persönliche Wahl.

 Online:

 Anleitung gezeichnet:

https://www.taiji-qigong-akademie.de/download/Pekingform.pdf

 Text und animiert Guna Grisel

https://www.yumpu.com/de/document/read/34404108/2-taijiquan-form-mit-24-sequenzen-instructor-zone

http://www.instructor-zone.de/taiji24erform.html#19

Video:

https://www.youtube.com/watch?v=eNnA4E6NLDU

von hinten:

https://www.youtube.com/watch?v=3whnk7x7rls

https://www.youtube.com/watch?v=e4VIw41R-PU

Und es gibt noch viele weitere da draußen.

Sonntag, 29. November 2020

Ein unbekannter Puerh

Ich habe da einen Puerh in Form eines "Tou Cha" liegen, der mir sehr rätselhaft erscheint, weil ich keine Informationen über ihn herausbekomme. Ohne Verpackung ist das auch nicht gerade leicht.

Aber ich kann ihn verkosten und so etwas über den Geschmack erfahren. Und andererseits ist es auch schön, etwas ohne vorgefasste Meinung zu probieren.


Mein erster Eindruck ist, dass er sehr fest gepresst ist und schon im Stück etwas "Lagerungsnoten" verströmt. Dieser Puerh scheint also schon etwas älter zu sein und ich denke, dass es sich dabei um einen Shou Puer handelt. Ich versuche etwas von der Unterseite zu lösen und benutze dazu mein gerade neu erworbenes Puerhmesser.

Dadurch erhalte ich einige Blätter und auch Bruch, denn ich versuche etwas auszusortieren.

Der Tee duftet sehr leicht, etwas erdig, etwas holzig und "alt", im Sinne von gelagert.

Ich benutze mein Set mit glasiertem Tongaiwan 100ml, dazu 3g Tee und kochend heißem Wasser.

Der Duft im erwärmten Gaiwan schon deutlicher, ähnlich wie vorher mit etwas brotigem dazu und Waldboden drängt sich mir auf.

Ich wasche zwei mal kurz und sehe dann weiter.


Der erste Aufguss, kurz gezogen, noch leicht und zurückhaltend, der Geschmack ähnlich dem Duft der feuchten Blätter. Schmeckt definitiv so, wie ich mir gelagerten Puerh im Shou Bereich vorstelle. Holz, Waldboden, Erdig, etwas "Antik", etwas mit chinesischer Medizin.

Der zweite Aufguss dann kräftiger, mit noch deutlicheren Aromen wie der erste. Der ist jetzt dichter und dicker im Gefühl und da ist auch etwas Schärfe auf der Zunge.

Über die weiteren Aufgüsse hinweg gleichbleibend stark und geschmacklich schon interessant, wenn auch die "antike" Note nicht jedem gefallen wird.

Der Pu ist also ergiebig und auch danach lang anhaltend im Geschmack am Gaumen.

Nach dem ca. 10 Aufguss tritt etwas verstärkt Süße auf, die mir angenehm am Gaumen schmeichelt.

Die feuchten Blätter typisch gereifter Puerh, dunkel und kleinteilig aber nicht mürbe und durchaus elastisch, sprechen eigentlich eher für einen gelagerten sheng Puerh.

Ich hatte schon solche Tees zur Probe. Darunter auch bedeutendere Shengs, gelagert, die durchaus ähnlich wenn auch meist noch deutlicher waren. Deshalb fällt mir ein Urteil etwas schwer. Aber ich habe den ganzen Pu ca. 150g da und kann weitere Teenachmittage mit dem Verkosten dieses für mich besonderen Stücks verbringen.

Das Neifei konnte ich dann mit Hilfe meiner Puer Nadel freilegen und dachte mir, dass ich so vieleiche noch einige Informationen erhalten würde. In meinem Puerh Buch "  ...  " ist es jedenfalls nicht mit aufgeführt. Und eine erste Anfrage im Teeforum erbrachte auch keine weiteren Hinweise.

Zusammenfassend schon interessant diesen unbekannten Puerh zu trinken.