Posts mit dem Label Qigong werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Qigong werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 8. September 2024

Bewegung und wie sie entsteht


-          Den Arm „fest machen", um die Hand im Kreis zu bewegen. „Fest machen“ bedeutet dabei die entsprechenden Muskeln im Arm (Beuger und Strecker) anzuziehen, um die Hand dann mit den entsprechend Muskeln zu bewegen.

-          Die Schulter „fest machen“, um den Arm aus der Schulter, die Hand im Kreis zu bewegen.

-          Den Körper „fest machen", um die Schulter, die Hand im Kreis zu bewegen.

-          Die Hüften „fest machen“, um den Körper, die Schulter, die Hand im Kreis zu bewegen.

-          Die Beine „fest machen“, um die Hüften, den Körper, die Schulter, die Hand im Kreis zu bewegen.

-          Die Füße „fest machen", um die Beine, die Hüften, den Körper, die Schulter, die Hand im Kreis zu bewegen.

 

Der Boden ist „fest" und bei entsprechender Verbindung der Füße mit dem Boden ist es möglich, mit den entsprechenden Muskeln, durch die Füße, die Beine, die Hüften, den Körper, die Schulter, die Hand im Kreis zu bewegen.

 

Also, nichts im Körper ist „fest gemacht" um den Körper oder einen Teil davon zu bewegen.

 

Die Bewegung geht durch den ganzen Körper durch.

 

Begin:

 

Ein durch den Körper nach unten lösender, sinkender Impuls wird aus seiner Reflexion aus dem Boden heraus zurück geleitet und damit die Bewegung eingeleitet.

Bei diesem lösenden Sinken darf die Verbindung über die Kopfkrone, dem Bai Hui nach oben nicht verloren gehen.

 

Die seitliche Rotation des Körpers wird durch ein entsprechendes lösendes Sinken nach innen in der entsprechenden Hüftgelenksfalte, dem Kua eingeleitet.

 

Eine „schnelle" Bewegung entsteht damit also nur durch das "schnellere", entschlossenere Lösen und  Sinken, nachdem alle unnötigen „fest gemachten" Muskeln gelöst wurden, nicht durch das "schnellere" Anspannen irgendwelcher einzelnen Muskeln.

 

Trift dabei zum Beispiel die Hand auf ein Hindernis, den Übungspartner, so bleibt sie gelöst und nur der Impuls wird peitschenartig übertragen. Auch ein Fausstoß ist letztendlich eine kreisförmige Bewegung, die bei Berührung dann ihren geladenen Impuls überträgt.

 

Vorstellungsbilder dienen dazu, dem Körper im Gesamten ein Bewegungsbild zu übermitteln, ohne ihm für jeden Muskel einzeln, eine entsprechende Anweisung zu geben.

 

Freitag, 26. Januar 2024

Zwischen den Händen atmen.

 

Zwischen den Händen atmen.

 

Bild ich im sitzen oder stehen

 

Diese Übungen zählen zum Qigong, haben aber auch gute Auswirkungen auf die Entwicklung von Taijiquan.

Sie enthalten Vorstellungsbilder, die vielleicht „unreal“ erscheinen. Aber mein Körper weiß dann schon, was er zu tun hat.

Fortgeschrittenes Tajiquan / Qigong ist von Magie nicht mehr zu unterscheiden… J .

 

Kurzablauf:

 

            Im Sitzen oder Stehen:

 

  1. Hände ohne Bewegung vorhalten und sich auf den Raum zwischen ihnen konzentrieren
  2. Hände „magnetisch“ öffnen und schließen
  3. 2 + „Vitalatmung
  4. 3 + Kondensieren im Dantian
  5. 4 + Zeit „dehnen, einatmen - Ruhe – ausatmen – Ruhe
  6. 5 + im Stehen üben
  7. 6 + Hände offen nach vorn, auf ein Objekt (Baum) in Entfernung ausgerichtet

 

Diese Übungsreihe habe ich von Mark Rasmus aus seinem Video und Buch entnommen und für mich angepasst. Im Original wird der Prozess einmal durchlaufen und jede Übung ca. 10 bis 15 Minuten ausgeführt. Danach soll man dann einen Zustand erreicht haben, der die 6. oder 7. Stufe gut üben lässt.

 

Ich selbst sehe mich als nicht so „fähig“ , so dass ich immer wieder jeden einzelnen Schritt mit verschiedenen Zeitlängen übe. Aber ich sehe es als wichtig an, dass die „finale“ Übung wirklich länger, also 10 – 15 Minuten geübt werden sollte, um wirklich in diesen „Wuji“ Zustand zu gelangen.

 

Gerade Mark Rasmus gehört zu den Leuten, die Begriffe verwenden, die als Platzhalter für andere Begriffe stehen. So ist der Begriff „magnetisch“ als Vorstellungsbild zu deuten, der aber sehr gut erklärt, wie es sich anfühlen könnte. Natürlich habe ich keine Magneten in meinen Händen, die ich auf Gedankenklick auch noch umschalten könnte. Auch andere Begriffe sind bei ihm mit Vorsicht und Erkenntnis zu benutzen.

 

 

 

 

Stufe 1:           Anfang

 

Es ist nicht „schlimm“, diese Übung, gerade am Beginn im Sitzen auszuführen. Dadurch kann ich mich ganz auf die entsprechenden Vorstellungen konzentrieren und dabei genug Energie entwickeln, ohne dass ich durch dass Stehen abgelenkt bin.

 

Ich setzte mich bequem auf die Stuhlkante oder sogar angelehnt aber gerade aufgerichtet.

Meine Hände sind nach vorn ausgerichtet, die Handflächen zueinander, mit unterarmlangem Abstand zueinander, meine Ellenbogen hängen. Struktur ist „Song“ also locker und mit „Wohlspannung“.

Ich atme gleichmäßig und ruhig und konzentriere mich auf den Raum zwischen meinen Händen. Ich könnte mir vorstellen einen Ball zu halten. Aber eigentlich geht es mehr um das Zentrum in der Mitte.

Ich übe damit die Wahrnehmung dieses Zentrums.

Später im Taijiquan dann hilft mir das, den Partner besser wahrzunehmen, wenn ich zum Beispiel seinen Arm oder beide Arme halte, weil ich dieses Zentrum in meiner Wahrnehmung dann verlagern kann zu seinem Zentrum hin, seinem Dantian, oder aber bis in seine Füße, seine Verwurzelung.

100 Prozent Aufmerksamkeit auf dieses Zentrum, auf diesen Ort zwischen meinen Händen  gerichtet, ohne Ablenkung, entwickelt mit der Zeit ein Gefühl in meinen Händen, dass ich in Stufe 2 dann als „magnetisch“ benutze.

Meinen Atem lasse ich gleichmäßig fließen und vielleicht in diesen Raum „Kondensieren“.

Erkennung einer Trennung von Körperlichkeit und Gedanklichem.

Einatmen, aus den Sitzknochen, Füßen, Struktur und Länge entstehen lassen, Luft steigt nach oben.

Ausatmen, lösen von unten und dabei noch einmal Länge entstehen lassen, Erde sinkt nach unten.

Aufbau einer fließenden Qualität.

Erst wenn diese zumindest einmal erfahren wurde, lohnt es sich mit der nächsten Stufe weiterzumachen.

 

10 bis 15 Minuten bewegen

 

 

Stufe 2:                                                                                                                                 2:43

 

Geistige Wahrnehmung erwacht, ausdehnen und zusammenziehen.

 

Wenn ich spüre, wie zwischen meinen Händen ein ausdehnendes Gefühl, magnetisch abstoßend, oder eben ein zusammenziehendes, eben dieses magnetische zusammenziehende Gefühl entsteht, gebe ich dem nach und bewege entsprechend meine Hände voneinander weg oder aufeinander zu. Das ist eine Vorstellung und entsprechend wird sich meine Muskelstruktur entwickeln. Also es handelt sich nicht um “die Hände zusammendrücken“ oder „die Hände auseinander ziehen“ obwohl es von außen betrachtet so aussieht.

Ich könnte mir auch vorstellen, dass ich eine  Ball halte, der von sich aus aufgeblasen wird und damit meine Hände auseinander bewegt oder seine Luft entweichen lässt, und damit meine Hände, die auf ihn aufgelegt sind zusammenzieht.

Ich öffne meine Arme weit und atme dabei ein (Bauchatmung). Dann schließe ich sie wieder bis unterarmlang und atme aus.

Es entsteht ein Fluss aus Wiederholungen.

Finger beobachten, wie sie sich leicht in die Länge ziehen, wenn ich meine Hände öffne und dann wieder weicher und etwas runder werden, wenn meine Hände zusammen gehen, ohne es aktiv zu tun.

 

10 bis 15 Minuten bewegen

 

Stufe 3:                                                                                                                                 4:29

 

Das Gefühl des magnetischen Flusses verbinden mit „Vitalatmung“

 

Vitalatmung ist ein Konzept, dass für mich wieder auf einem Vorstellungsbild beruht und den Körper „machen lässt“.

 

Wenn ich einatme, dehnt sich mein Körper in allen Richtungen aus, nicht nur der Bauch nach vorn. Dadurch wird meine Haut, meine Faszien gedehnt. Meine Poren öffnen sich und „lassen die Luft herein“. Ich stelle mir vor, wie mit der Luft auch frische Energie in mich strömt. Es entsteht Weite im Körper. Das ist ein Fluss in zwei Richtungen, ausdehnen des Körpers und einfließen der Luft. Wenn ich dann ausatme, zieht sich mein Körper wieder zusammen und dabei stelle ich mir vor, wie diese Luft/Energie zwischen meine Hände durch meine Handquellen (Laogong?) in das  Zentrum zwischen meinen Händen fließt. Das wird kondensieren genannt, was eher ein Sog ist, ein Unterdruck. Ich stelle mir nicht vor, diese Luft/Energie dort hinein zu drücken.

Im Ball zwischen meinen Händen ist es also paradox. Luft strömt hinein aber der Ball zieht sich zusammen.

 

Nun ist „Porenatmung“ eine Vorstellung, die für mich nicht sofort am ganzen Körper da war. Oft spürte ich die Arme oder den Bauch. Eine Hilfe ist es, die Haut an den verschiedenen Stellen mit einer weichen Bürste oder einem rauen Lappen abzustreichen. Also versuche ich erst einzelne Stellen, die Arme, die Beine, den Körper, besonders den Rücken zu streichen und dann eine Wahrnehmung zu spüren. Dann mehrere Stellen gleichzeitig, dann den ganzen Körper vorstellen. Geduld ist da angesagt. Und ich versuche auch im Alltag ab und zu an der Entwicklung dieser Atmung zu arbeiten.

 

10 bis 15 Minuten bewegen

 

Stufe 4:                                                                                                                                 6:22

 

Diese Übung ist genau wie Stufe 3 nur dass ich jetzt meine Vorstellung in mein Zentrum, mein Dantian verlege und wirklich diese Luft/Energie (vielleicht von Chinesen Qi/Chi genannt) ins Zentrum fließen lassen, als Unterdruck, Kondensieren, und nicht aktiv schieben oder drücken. Qi/Chi wird niemals geschoben oder gedrückt. Es folgt der Aufmerksamkeit, dem Gedanken ganz frei, wenn ich alle Stauungen und Anspannungen auflöse und loslasse.

 

10 bis 15 Minuten bewegen

 

 

 

Stufe 5:                                                                                                                                 9:16

 

Jetzt wird meine Vorstellungskraft noch mehr gefordert.

Meine Atmung wird nun langsamer, ohne aber angestrengter zu werden. Ich versuche den Atem in die Länge zu ziehen. Und dazu füge ich nach dem Ausfließen lassen meiner Atmung eine Atemruhe ein. Allerdings bedeutet das nicht, dass ich versuche die Luft aktiv anzuhalten, also mich dafür anzustrengen.

 

Einatmen – Ruhepause – Ausatmen – Ruhepause …

 

So entsteht ein Kreislauf, in dem die Atmung fließt.

Und da ich meine Gedanken davon löse, kann es bei längerem Üben dazu kommen, dass ich die verstreichende Zeit anders wahrnehme. Das ist erwünscht und sollte nicht behindert werden.

 

Im gleichen Moment lässt auch meine übertriebene Beobachtung meiner Hände nach und diese fangen an zu „schwimmen“. Auch das ist ein Gefühl, dass sich erst in dieser „Absichtslosigkeit“ der höheren  Stufen einstellt.

 

Atmung wird langsam und Bewegung passt sich an.

 

Zeichen dafür, dass ich auf dem richtigen Weg bin, ist, dass mein „magnetisches Gefühl“ des Anziehens und Abstoßens angenehm ist und fließt. Und wenn ich die Zeit loslasse, wird das Gefühl meiner Bewegung dicht und fühlt sich an, als ob ich meine Hände durch Flüssigkeit führe, als wenn ich schwimmen würde. Und das ist ein Gefühl, dass ich beim Bewegen der Taijiquanform auch entwickeln könnte. Dieses Auflösen von Zeit und später auch Raum würde ich schon in Richtung Wuji verstehen und hilft der Entwicklung einer Verbindung von Körper, Gedanken und Unterbewusstsein.

 

10 bis 15 Minuten bewegen

 

 

Stufe 6:                                                                                                                                 13:30

 

Jetzt wird es Zeit diese Übung im Stehen (schulterbreiter Stand) zu versuchen.

Dazu einatmen, aus den Füßen, Struktur und Länge entstehen lassen, Luft steigt nach oben.

Ausatmen, lösen von unten und dabei noch einmal Länge entstehen lassen, Erde sinkt nach unten. Durch meine „Sprudelnden Quellen“(Yongchuan)  an den Fußsohlen, verbinde ich mich in den Boden, lasse diese immer wieder „übersprudeln“.

 

10 Jahre Training oder einmal durch die gesamte Kette … Für mich eher eine Kombination durch immer wieder diese Kette zu durchlaufen.

 

10 bis 15 Minuten bewegen

 

Stufe 7:                                                                                                                                 17:35

 

Das ist noch eine Möglichkeit die Übung zu erweitern und dadurch auch einen Bezug zum Taijiquan herzustellen.

 

Ich stehe genauso wie vorher mit nun nach vorn zu einem „elastischem“ Objekt (einem Baum zum Beispiel) ausgerichteten Handflächen. Meine Gedanken sind auf diesen Baum ausgerichtet. Dabei stelle ich mir ein Fließen vom Baum her zu mir oder ein Fließen zum Baum hin vor. Für spätere Partnerübungen beim Pushhands ist das eine gute Vorübung zur Entwicklung meiner Vorstellungskraft, denn dann ist es auch gut, wenn ich meine Hand nicht nur in Richtung Partner schiebe, sondern gedanklich auch weiter weg, ohne sie in Wirklichkeit mechanisch durch den Partner zu schieben,  damit die Qualität meines Schubes elastischer und durchdringender wird.

 

Meine Arme werden lang, meine Finger werden lang ohne das sie steif und starr werden, meine Gelenke werden flexibel und haben Raum, Platz, (öffnen sich) zum Bewegen und die an den Gelenken beteiligten Muskeln sind entspannt im Sinne von „Song“ ohne schlaff zu sein und die Arme und Finger nach unten hängen zu lassen.

 

10 bis 15 Minuten bewegen

 

 

 

 

Zusammenfassende Gedanken:

 

„Gedanken bewegen Qi und Qi bewegt den Körper.“

 

„Kondensieren“ ist Unterdruck, der die Hände zusammenzieht, die Hände werden nicht „willentlich“ wie von außen geführt muskulär angespannt zusammengedrückten.

 

Ausdehnen ist von innen aufblähen des vorgestellten Balls, der die anliegenden Hände bewegt, nicht die Hände aktiv nach außen ziehen.

 

Vor dem Ausdehnen kommt ein inneres Kondensieren, was nicht zu sehen ist,  zu Beginn der Übungen.

 

Immer mehr Hautoberfläche, Faszienhaut ist beteiligt.

 

Durch Entspannung, „Wohlspannung“, Song, wird die Haut flexibler und durchlässiger.

 

„Stehen wie eine Kiefer“ ist ähnlich, Atmung, Ausdehnung, Aufrichtung und Konzentration nur auf das Dantian …

 

Wenn ich mir in Gedanken zwei Magnete vorstelle. Meine Muskeln halten diese zusammen, obwohl sie sich abstoßen würden. Löse ich meine Muskeln, stoßen sich die Magneten ab, es entsteht mehr Raum. Und so stelle ich es mir in meinen Gelenken vor, so entsteht durch lösen der Muskeln mehr Raum in meinen Gelenken. Die Muskeln haben „Wohlspannung“ und die Arme und Finger hängen nicht schlaff nach unten.

 

Einen Kreis um den Körper vorstellen, in den hinein ich mich ausdehne. Alles wird weiter, auch meine Schulterblätter gehen auseinander, also nicht nur die Arme.

 

Meine Umgebung beeinflusst mein Üben. Über die Poren „gute“ frische Luft/Energie aufnehmen. Also in guter, schöner Umgebung, Natur üben, um meinen Körper energetisch aufzubauen.

 

Ich gehe in der Natur spazieren und innerlich entwickelt sich mir dieses Vorstellungsbild, lässt mich üben.

 

Mit anderen üben potenziert den eigenen Gewinn aus der Übung. Allein = 1, zu zweit = 4, … zu 10 wären dann schon 100.

 

Ich kann niemanden zwingen, meine Erkenntnisse zu haben. Anregungen geben ist passender, um andere zu fördern.

 

 Wird noch bearbeitet !


Quelle: Mark Rasmus Video bei Youtube:

 

Learn to "Mobilize the Chi" for Tai Chi in 2 hours

https://www.youtube.com/watch?v=eAq6hBt32jM


https://www.youtube.com/watch?v=eAq6hBt32jM

 

oder

 

https://www.youtube.com/watch?v=blvpsWb0Sp0&list=PLN3pjV7lDmdtEaZd_iPXkISuJTPn3I1Nq

 

Montag, 15. Januar 2024

4 Elemente - ein Gedankenmodel



 

Hierbei handelt es sich nur um ein Gedankenmodel. Die „4 Elemente“: Feuer, Wasser, Luft und Erde stehen dabei nur als Namen für umfangreichere Konzepte. Durch beständiges Üben wird es dann unnötig sie weiter zu benennen, da sich alles wieder zu dem Einen vereint.

 

Vertikal: Luft und Erde

 

Ich stehe, die Füße schulterbreit, verwurzelt in den Boden, löse die Gelenke von unten beginnend, Zehengelenke, Fußgelenke, Kniegelenke, Hüftgelenke, die Wirbelsäule, Wirbel für Wirbel hinauf, Schultergelenke, Ellenbogengelenke, Handgelenke, Und die Fingergelenke aber auch bis zum Kopf, zur Kopfkrone hinaus, in Zukunft die „Muskelkette“ genannt.

 

Ein Gelenk löse ich, in dem ich die daran wirkenden Muskeln entspanne. Dabei erschlaffen sie nicht einfach, sondern es stellt sich eine Art „Wohlspannung“ ein, die dem Gelenk genug Spielraum lässt und es nicht zu fest zusammenzieht. Leichtigkeit, eben der Raum entsteht, der nach oben steigt.

 

Das nehme ich als „Luft“ an.

 

Ich lasse meine Arme steigen, als ob sie von unten getragen werden. Dabei lasse ich meine Schultern gesenkt und dann, wenn ich ihre Anspannung löse, sie öffne, sie nach vorn fallen, wie die Arme selbst. Ellenbogengelenke, Handgelenke lösen sich und steigen bis zur Waagerechten an. Meine Finger begradigen sich etwas, weil ich die Finger löse und Raum in den Fingergelenken entsteht, ohne, dass ich die entsprechenden Muskeln stark anspanne. Sie fallen im Prinzip nach vorn. Gedanklich verbinde ich mich mit einem Objekt vor mir in der Ferne, als ob dünne Fäden von meinen Fingerspitzen dorthin gezogen werden.

 

Dazu atme ich ein (Bauchatmung) aber auch aus (paradoxe Bauchatmung).

 

(soweit Element Luft)

 

Nun löse ich wieder die gesamte Muskelkette von unten beginnend. Das fühlt sich wie ein Fließen, Abschmelzen an. So wie im ersten Abschnitt das Leichte nach oben steigt, fließt nun alles Schwere nach unten. Dadurch entsteht noch einmal ein Langziehen, bevor die Arme dann wieder zurück und nach unten gezogen werden. Ich stelle mir vor, dass meine Arme aufgelegt sind und so abgelassen werden. Das nehme ich als „Erde“ an.

Jedes Senken meiner Arme ist nunmehr ein Zug aus den Füßen heraus, kein aktives, getrenntes Anspannen der Arm und Oberkörpermuskeln.

 

Dazu atme ich aus (Bauchatmung) aber auch ein (paradoxe Bauchatmung).

 

(soweit Element Erde)

 

Es kann ein Kreislauf entstehen aus steigen und sinken, Luft steigt, Erde sinkt.

Deshalb: aus dem Ruhezustand sinken, dann steigen.

 

Als Variation kann ich meine Arme auch seitlich steigen und sinken lassen. Dann könnten sie nach dem Sinken auch durchpendeln und vor dem Körper über Kreuz wieder steigen. (loosening exercise)

 

Horizontal: Feuer und Wasser

 

Ich stehe, die Füße schulterbreit, verwurzelt in den Boden, und hebe meine Arme auf Brusthöhe, die Handflächen zueinander.

Ich löse alle Gelenke in der Muskelkette und spüre, wie dadurch meine Hände leicht zueinander fallen. Es gibt einen Ort in der Mitte zwischen den Händen. Darauf richte ich meine Aufmerksamkeit. Damit schule ich die Aufmerksamkeit außerhalb meines Körpers, um sie später auch in Partnerübungen verwenden zu können. Von dieser Mitte ausgehend stelle ich mir vor, wie der Raum zwischen meinen Händen expandiert. Es ist, als würde ich einen Ball halten, der aufgeblasen wird. Und obwohl ich meine Arme offensichtlich bewege, ist es in meiner Vorstellung der Raum zwischen meinen Händen, der sich ausdehnt und meine Hände, Arme bewegt. Es ist wichtig zu verstehen, dass diese Vorstellung, obwohl sie nur eine Illusion ist, dazu führt, dass sich meine Muskeln gelöster bewegen und meine Gelenke weiter geöffnet sind.

Das nehme ich als Feuer an, wenn ich mir dieses Ausdehnen von innen heraus vorstelle.

 

Dazu atme ich ein (Bauchatmung) aber auch aus (paradoxe Bauchatmung).

 

(soweit Element Feuer)

 

Habe ich mein „Maximum“ erreicht, stelle ich mir vor, wie der Raum zwischen meinen Händen kollabiert, die Luft aus dem Ball entweicht.

Es ist nicht so, dass ich meinen Hände und damit den vorgestellten Ball zusammendrücke, obwohl es von außen betrachtet so aussieht. Von der Vorstellung her entsteht ein Unterdruck, der meine Hände, Arme zusammenzieht. Das nehme ich als Wasser an.

 

Dazu atme ich aus (Bauchatmung) aber auch ein (paradoxe Bauchatmung).

 

 (soweit Element Wasser)

 

Es kann ein Kreislauf entstehen aus öffnen und schließen, Feuer öffnet und Wasser schließt.

Deshalb: aus dem Ruhezustand schließen, dann öffnen.

 

Vertikal und Horizontal übe ich über längere Zeit, bis zu 10 – 15 Minuten.

 

Alle vier Elemente verbinden

 

Ich stehe, die Füße schulterbreit, verwurzelt in den Boden.

Ich stelle mir dieses Zusammenziehen vor. Dadurch wenden sich meine Handflächen zueinander. Dann steigen meine Hände nach oben. Ich löse und dadurch entsteht dieses expandierende Öffnen meiner Hände und Arme. Dann fangen meine Arme an zu sinken, wobei sich meine Handflächen nach unten drehen. Es entsteht ein Kreislauf aus Schließen, Steigen, Öffnen und Sinken, also Wasser, Luft, Feuer und Erde.

 

Dieser Kreislauf lässt sich in seiner Richtung auch umdrehen.

 

Anwendung:

 

Mein Partner versucht mit seinen beiden Händen zu meiner Brust zu stoßen.

Meine Hände, Arme ziehen sich zusammen, so dass sie zwischen den Armen des Partners steigen können. Dann expandieren sie leicht, so dass sie mit den Armen des Partners in Berührung kommen. Meine Hände legen sich auf die Arme des Partners. Dann sinken sie nach unten.

Daraus könnte ein Kreislauf zwischen uns beiden entstehen. Die Arme gehen umeinander herum, steigen und sinken, expandieren und ziehen sich zusammen.

 

Stehen beide Partner im Bogenschritt kommt Gewichtsverlagerung hinzu. Der Partner stößt vor, ich schließe und hebe meine Hände zwischen seinen Armen, lasse mich zurückschieben.

Der Partner ist am Ende, möchte sich zurückziehen. Ich öffne meine Arme und lasse meine Hände auf seinen Armen sinken, bleibe dran und verlagere nach vorn. Das sieht aus wie „ich schiebe den Partner“ aber es ist ein dranbleiben.

 

 

Bonus mit Ball

 

Halte ich ein Ball zwischen meinen Händen, so kann ich mir sein Zentrum vorstellen. Wie die Erde, nur kleiner, kann ich mir im Ball ein Gravitationszentrum vorstellen. Meine Hände fallen zu diesem hin.

 

Wird mir ein Ball zugeworfen, kann ich meine Hände schließen. Das kann zu früh, zu spät oder aber genau zum richtigen Zeitpunkt passieren, wenn der Ball genau zwischen meinen Händen ist.

 

Wenn ich mir vorstelle, dass der Ball im Flug schon meine Hände anzieht, werden sie sich viel öfters im richtigen Moment um diesen Ball schließen, ich ihn fangen.

Das ist nur eine Vorstellung, meine Vorstellung, die mich diesen Ball leichter fangen lässt.

 

 

Zusammenfassung:

 

Was habe ich nun von diesem Gedankenmodell?

 

Die Anwendungen dieser Vorstellung sind unbegrenzt.

Ob nun mit beiden Händen zusammen, mit den Händen getrennt für sich, zum Partner hin, seinem Zentrum, seiner Verwurzelung. Ich übe und in der Anwendung dann oder wenn es schnell und explosiv werden soll, lasse ich den Körper bewegen, weil er gelernt hat, wie es ablaufen soll, ohne dass ich erst darüber nachdenken muss.

 

 

Dienstag, 26. Oktober 2021

Seidenfadenübungen 1 – Vorbereitung


Die Seidenfadenübungen sind für mich eine der wichtigsten und fundamentalsten Übungen für die Entwicklung meines Taijiquan- und Qigong Verständnisses.

 

Im chinesischen Chansigong“  蠶絲功 / 蚕丝功Cánsīgōng  - bedeutet Chansi = Seide , Gong = „Arbeit, Fähigkeit, Können“

 

Und im Übertragenen bedeutet es,  „ einen Seidenfaden vom Kokon abziehen“ ohne, dass er reißt, weil ich zu fest bewege oder sich verknotet, weil ich zu lasch bewege.

 

Seidenfadenübungen enthalten sinkende und steigende Bewegungen der Arme, Rotation in den Hüftgelenken und die Verbindung zwischen den Gelenken und mit der Mitte, dem Dantien. Mein ganzer Körper ist eine Bewegung aus dieser Mitte heraus und nichts bewegt sich extra, muss aus einem „festen“ Ansatz heraus bewegt werden.

 

Für mich haben diese Übungen viel mit der Frage zu tun, wie ich eine horizontale Bewegung aus einer vertikalen entwickle, ohne dass ich meine Verbindung zum Boden verliere und wie ich durch die gesamte Muskelkette hindurch bewege ohne, dass ich etwas extra bewege, die Hand, den Arm, den Oberkörper …

 

Eine der wichtigsten Grundlagen für mich dabei ist mein Hüftgelenk.

Mein Oberschenkelknochen endet in der Hüftgelenkspfanne als Kugel, die in einer Schale rollt. Mal davon abgesehen, dass sie von einer Faszienmanschette umgeben ist, die dieses Rollen etwas einschränkt, lässt sich der Oberschenkel in einem weiten Bereich bewegen ( 160 grad vertikal und 100 grad horizontal)(*1 Quelle unten)

 



-Bilder 2 gehobener Oberschenkel und geschwenkter Oberschenkel 

 Mangelnde Bewegung verhärtet und verengt diesen Bewegungsumfang allerdings deutlich.

Andererseits sorgt diese Manschette dafür, dass ich eine  Bewegung durch“ Loslassen“ auch wieder in eine Ausgangsstellung zurückführen kann.

Wie kann ich nun mehr Beweglichkeit im Umfang als auch in der Leichtigkeit im Hüftgelenk erreichen, um meine Kugel rollen zu lassen?

Dazu gibt es einige vorbereitende Übungen zur Erwärmung: Beinkreisen, Hüftkreisen, meist im Zusammenhang mit anderen Gelenkkreisübungen..

Zur „Dehnung“ und damit zur Aktivierung und Verlängerung der Muskelketten, Sehnen und Gelenksmanschetten gibt es auch entsprechende Übungen

 






-Bild 3 Hocke

In die Hocke sinken, ohne die Fersen dabei anzuheben, ist schon eine starke Möglichkeit auch um das Kua, die Hüftfalte zu entwickeln.

 

Dazu stehe ich entspannt, mit schulterbreit stehenden Füßen und lasse mich einfach sinken, bis ich einen Widerstand spüre.

Dieses Sinken ist kein  absichtliches Beugen meines Knie- oder Fußgelenks. Es ist eher so, als wenn ich meinen Oberschenkel an den Körper heranziehe. Zur Verdeutlichung hebe ich einfach mein Bein an und lasse den Unterschenkel und Fuß locker hängen, was ich durch leichte Schaukelbewegung erkennen kann. Mein Oberschenkel bewegt sich zum Körper hin. Wenn ich nun beide Oberschenkel gleichzeitig zum Körper hin bewege und meine Unterschenkel und Füße dabei entspannt hängen lasse, bewege ich meinen Körper nach unten und das Beugen im Knie- und Fußgelenk ist absichtslos, passiv ohne Muskelanspannung.

Mein Oberkörper bleibt dabei möglichst aufrecht nach oben hängend ausgerichtet.

 

Je nach Stellung der Füße und deren Abstand zueinander ergibt sich ab einem bestimmten Punkt des Sinkens ein spürbarer Widerstand. Das hängt auch damit zusammen, ob mein Rücken gerade ist und ob mein Steißbein ordentlich nach unten sitzt. Mit der Zeit und durch weitere Übungen mit dem Hüftgelenk, verlagert sich dieser Punkt immer weiter nach unten, bis ich schließlich mühelos unten hocken kann. Und dieses Hocken praktiziere ich dann immer mal so zwischendurch. Als Hilfe für den Anfang wäre es auch möglich sich vorn etwas festzuhalten, weil eben die Tendenz besteht, nach hinten zu fallen.

 




-Bild 4 zu den Seiten drehen

 

Wenn ich mich entspannt, mit schulterbreit stehenden Füßen im Hüftgelenk zu den Seiten drehe, ohne dabei aber meinen Torso in sich zu verdrehen, und diese Haltung in den Endlagen vielleicht auch einmal etwas länger halte, ist das für mich auch eine starke Vorbereitungsübung.

 

Dazu stehe ich im Körper entspannt und aufrecht, mit schulterbreit stehenden Füßen oder aber auch einmal etwas breiter, aber immer mit den Knien über den Füßen, gesunken, mit sitzendem Steißbein, meinen Oberkörper aufgerichtet, nach oben fallend.

Nun kann ich so etwas stehen und mich und meine innere Ausrichtung beobachte. Dann entspanne ich mein linkes Hüftgelenk sinke etwas nach innen in dieses Kua, die Hüftgelenksfalte. Dadurch rotiert mein Becken mit meinem verbundenen Torso nach links und würde sich nach vorn neigen, wenn ich nicht gleichzeitig auch mein rechtes Hüftgelenk loslasse, mein Becken bleibt waagerecht ausgerichtet und ich rotiere scheinbar um meine senkrecht stehende Wirbelsäule bis etwa 45 grad nach links.

Da ich meine Hände direkt vor meiner Mitte halte, bemerke ich sofort, ob ich meinen Torso in sich verdrehe, weil sie sich dann in der Endlage eben nicht mehr genau vor meiner Mitte befinden. Über die Zeit entwickelt sich so eine gedankliche, innere Verbindung zwischen Mitte und Hände.

Dann lasse ich in meinen Gelenken los und mein Körper rotiert mühelos wieder zurück zu seiner Ausgangsstellung. Mein Becken bleibt waageecht ausgerichtet und meine Wirbelsäule senkrecht, das Steißbein sitzt weiterhin nach unten.

Auch zur rechten Seite bewege ich mich so.

 

Ich beobachte mein „aktives“ Gelenk aber auch das andere, dass oft mehr „spannt“ und deshalb gelöst werden muss, damit mein Körper gerade bleibt.

Beide Knie lasse ich nach vorn, über den Füßen ausgerichtet.

Es ist wichtig, dass ich nirgendwo ziehe oder drücke. Meine Intention ist das Sinken nach unten. Und ich spüre gleichzeitig ein Steigen, nach oben Hängen durch die Wirbelsäule, durch mein Baihui, die  Kopfkrone nach oben.

 

Wenn meine Muskeln gut entspannt sind, spüre ich, ob ich aufgerichtet bin oder mein Oberkörper geneigt und mein Gewicht nicht gleichmäßig auf beide Füße verteilt ist, meine Füße gleichmäßig in den Boden verwurzelt sind.

 


Als weitere Vorbereitungsübung empfehle ich die „drei Kreise Vorbereitung von Yürgen Oster (*2 Quelle unten), die in etwa so aussehen, dass ich mit meinen nebeneinander liegenden Handflächen horizontale und vertikale Kreise vor dem Körper ausführe, so wie ich mich gerade zu den Seiten gedreht hatte. Beim dritten Kreis halte ich meine Hände über den Kopf und kreise sie wieder horizontal.

 Dazu ganz allgemein für die Seidenfadenübungen der link zu einem Buch und den Videos von Yürgen Oster, auf die ich mich in dem kommenden Beiträgen auch weiterhin beziehen werde. (*3)

*1

 

https://eref.thieme.de/cockpits/clsport0001clAna0001/0/coAna00017/4-3947

 

*2

 

https://www.youtube.com/watch?v=HmZP_m-wVL0&t=1s


*3


https://www.amazon.de/Seidenfaden-Qigong-Entwicklung-Lebenskraft-S%C3%A4ulen/dp/3754336665/ref=sr_1_1?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&dchild=1&keywords=Seidenfaden+Qigong&qid=1635267613&sr=8-1

https://www.innerqi.net/sf/

Freitag, 16. Juli 2021

Zuhören und Fragen stellen


 Was wird bei den Kampfkünsten am meisten trainiert? Stoßen und Treten, und dazu die Abwehr von "Stoßen und Treten".

Was wird oft bei Gesprächen am meisten "geübt"? Argumentieren und die Abwehr von Argumenten.

Das Ziel ist jeweils den Anderen zu besiegen.

 

Möchte ich in eine höhere Stufe aufsteigen, wird sich das vieleicht ändern.

 

Beim Taijiquan lerne ich nun zu beobachten, zuerst mit den Augen, dann mit dem Gefühl im Moment des Kontakts.

Im Gespäch lerne ich das Zuhören.

Wenn beide Partner gelernt haben zu beobachten, in dem Moment des Kontakts zu spüren, wie der Andere steht, sich bewegt, wird nichts mehr passieren.

Wenn beide im Gespräch nur noch zuhören, ist Stille.

 

Dann kommt der Moment, wieder aktiv zu werden.

Durch leichtes Pushen stelle ich Fragen. Durch Fragen bekomme ich Reaktionen,  Antworten.

Dann ist wieder Spüren / Zuhören angesagt.

Und so entwickelt sich das weiter.

 

Übe ich für mich allein, spüre / höre ich in  mich hinein. Ich beobachte meine Struktur, wie ich auf dem Boden stehe, ob ich gut aufgerichtet bin, alles verbunden ist, wie meine Gedanken ruhig sind und sich entwickeln.

 

Dann kommt der Moment, Fragen zu stellen.

 

Schattenboxen

 

Sich den Partner vorstellend, stelle ich mir vor, wie ich ihm Fragen stellen würde. Jede Bewegung ist nicht leer sondern enthält die Vorstellung des Kontaktes mit dem Anderen und wie sich das wiederum auf meine Struktur auswirken würde. Wie würden sich seine Fragen auf meine Struktur auswirken?

 

Übe ich dann real mit dem Anderen, sehe ich, ob meine Vorstellungen mit der Realität übereinstimmen, korrigiere meine Vorstellungen dahingehend, sich der Realität anzunähern.

 

Auch im Gespäch stelle ich dann Fragen und höhre zu, was passiert.

Zuhören kann ich nur mit offenem Geist.

Bewerte ich schon vorher oder im Gespräch, bilde mir ein Urteil dazu, verstellt sich mein Blick auf den anderen, verhindere ich, dass ich die leisen Töne höhre, nicht spüre, wie der andere ist.

 

Die höhere Stufe bedeutet, sich zu zurück zu nehmen, das Ziel der Übung ist, von dem Besiegen weg zu lenken.

 

Beim Taijiquan die Struktur des anderen zu erkennen, im Gespräch die Wurzeln für die Ansprüche und Gedanken des Anderen zu erkenen, ist jetzt am Wichtigsten.

 

Übe ich Pushhands, geht es nicht mehr darum den Anderen zu besiegen. Ich entwickele meine Struktur und stelle dann Fragen. Ich pushe nur so viel, dass ich die Antworten spüren kann. Ich pushe erst langsam, damit ich die Zeit habe, die Antworten zu spüren, meinem Körper die Zeit gebe, auf die Fragen des anderen zu antworten.

 

Im Gespräch, höre ich zu, stelle Fragen  um weiter zuhören zu können, lasse dem anderen und mir Zeit, für die Antworten, die gedanklichen Veränderungen entwickelnd. 

Ich finde viele Gemeinsamkeiten zwischen Kampkünsten wie Taijiquan und Gespächen auf höherer Stufe, so wie ich es verstehe.

Freitag, 5. März 2021

10 000 Wiederholungen oder 4

10 000 Wiederholungen sind weniger als eine korrekte Bewegung.

Obwohl diese 10 000 nicht verschwendet sind, sind sie höchstens der Weg hin zu dieser einen, korrekten Bewegung.

Und so muss ich auch diesen Gedanken verwerfen, der die Menge der erzeugten Bewegungen für wichtig erachtet.

4 Wiederholungen einer Figur beim Qigong, korrekt ausgeführt, mit dem Atem verbunden, fließend und mit entwickelter Vorstellungskraft, es fällt mir schwer, das höher zu schätzen als ein Set von unendlichen Wiederholungen

- . . . -

und doch ist es so.

Wiederholungen jenseits der 4 sind selten so korrekt wie die erste - Beginnende, die zweite - Korrektere, die dritte - "jetzt wird es gut" und die vierte - in höchster Vollendung.

Danach lässt es oft nach mit der Konzentration und den Verbindungen im Körper.

Mein Bewusstsein steigt dann nach oben in den Kopf und erzeugt damit "obere Fülle"

Ein kurzer Moment der Beruhigung, des Sinken Lassens, gibt mir die Basis, die Verbindung zum Boden zurück, bevor ich die nächste Übung beginne.

4 Bewegungen, regelmäßig, ja, täglich korrekt ausgeführt, entwickeln meinen Körper, entwickeln meine Muskeln und Faszien zu einem verbundenen Ganzen, das meine Aufmerksamkeit durchwandert, Irritationen, Spannungen erkennend und auflösend.

Geht der Atem mit der Bewegung oder geht die Bewegung mit dem Atem?

Beides ist möglich und letztendlich löst sich diese Frage dann auf.

Aber bis dahin geht es so oder so voran.

Da ist die Gefahr einer Täuschung!

Mein Atem kann mit der Zeit tiefer und länger werden.

Oder ich folge den 10 000 Wiederholungen und mein Atem wird kürzer und oft flacher auch.

Meine Wahrnehmung der Zeit verändert sich, je nachdem, wie ich mich bewege und darauf achte. Und damit fällt mir die Veränderung meines Atems, diese Verkürzung und Abflachung nicht auf.

Eine Korrektur wird nötig.

Wer gibt sie mir?

Die Begrenzung auf 4 Wiederholungen gibt mir die Zeit und die Muße, dies sehr genau zu beobachten.

Ich kehre zurück zum Beginn und frage mich wie ein Anfänger:

Was ist korrekt?

Beobachte mich selbst, ob es innen so ist. wie es nach außen hin scheint.

Jedes Mal, dass ich mich bewege, aufs Neue, frage ich mich, beobachte, wie alles zusammenhängt, reguliere mich und meine Bewegungen dahingehend.

Taijiquan, eine Form laufen, die "Lange" vielleicht, mit allen Vorstellungsbildern darin, Bewegung und Atmung verbunden, regelmäßig, mehr bedarf es dann nicht.

Die Gefahr ist möglich, Fleiß in  meinen Bemühungen mit Fleiß in der Menge zu verwechseln.

Und damit bin ich wieder am Anfang, den Kreis neu beginnend.

Sonntag, 8. November 2020

Den Ball halten und ein scheinbarere Wiederspruch im Taijiquan

Es gibt eine Übung, die ich immer wieder, oft im Rahmen eines Übungssets, bewege, die für mich eine ganz bestimmte Idee besonders gut verdeutlicht. Diese Idee findet sich dann überall wieder, wenn ich genau hinschaue. 

... Ich öffne meine Arme zu den Seiten und nach einem kleinen Sinke, besonders in meinen Ellenbogen,  steigen meine Arme, meine Hände nach oben, um dann vor meinem Körper, die Handflächen sich nach schräg, oben, etwas zu mir wendend zu verharren...

Diese Haltung, mit den nach oben gewendeten Handflächen, als Standhaltung, kurze Zeit oder aber auch etwas länger stehend, sieht einfach aus, von außen betrachtet. 

Aber was passiert eigentlich innerlich bei mir? 

Bewege ich einen Muskel, so benötigt er eine Basis, an der er befestigt ist und zu der er sich hin- zusammen - ziehen kann. Hebe ich meinen Arm, so ziehe ich im Körper, der die Basis ist Muskeln an, die den Arm heben. Der Körper selbst wäre also fest.

Oder aber ich betrachte eine ganze Kette von Muskeln, beginnend bei den Füßen und lasse diese als Vorstellungsbild eine Entspannungswelle durch den Körper bis in meinen zu bewegenden Arm steigen. Dadurch bleibt mein Körper flexibel und entspannt, abgesehen von der minimalen Muskelbewegung, um diesen Arm zu heben.

Nur wenn ich jetzt nicht genau zum Boden hin ausgerichtet bin, könnte mich dieser Armhebel aus meine Balance bringen, was dazu führt, dass ich unwillkürlich Muskeln gerade in den Beinen anspannen werde, um dem entgegen zu wirken und dadurch fest und noch weniger ausbalanciert und verbunden zum Boden werde. 

Zusammenfassend ergeben sich zwei Punkte: "Entspannungswelle" und "Ausrichtung zum Boden". Und da ist nichts Außergewöhnliches dabei.


Die Stellung in der Übung nennt sich im chinesischen: " ... halte den Mond...".

Na gut, der Mond ist relativ groß und weit weg. Und so beginne ich vielleicht eher mit einem Ball.

Halte ich einen Ball so vor meinem Körper, könnte ich alle Muskeln anspannen und  stehen wie ein Gerüst. So kann ich etwas stehen, je nach Gewicht des Balls aber nicht ewig. Meine Muskeln ermüden und fangen an zu zittern. Entspanne ich mich einfach, kann ich den Ball auch nicht viel länger hoch halten. Die Muskelkette wirkt schon erleichternd, aber den zweiten Punkt sollte ich nicht vergessen.

Halte ich den Ball gerade über meinem Kopf, geht es besser. Das Gewicht geht direkt durch meinen Körper ohne Hebelwirkung an den Armen. Das bemerke ich sofort, wenn ich meine Arme mit dem Ball wieder senke. Davon ausgehend, benutze ich ein Vorstellungsbild, um auch wenn ich meine Arme senke immer noch gedanklich unter dem Ball stehen zu bleiben. 

"Entspannungswelle" und "Ausrichtung zum Boden" 

Mein Körper ist so flexibel und meine Muskeln können sich auf der Grundlage dieses Bildes, bei einiger Zeit des Übens, von selbst so ausrichten, dass die Muskeln optimal entspannt sind und ich doch nicht aus meiner optimalen Standhaltung, gesunken in den Boden, gezogen werde. Das ist eine Entwicklung über längere Zeit und mit stetiger Steigerung in der Gewichtung, klein anfangen und immer weiter steigern. 

Ich hebe den Ball an, in dem ich mir schon gleich beim Heben vorstelle, wie ich unter dem Ball stehe und ihn wie ein Springbrunnen, der Wasser aus einer Düse nach oben drückt, hebe und gleichzeitig sein Gewicht die ganze Muskelkette durch meine Arme, meinen Rücken, die Wirbelsäule hinunter, durch meine Beine, durch die Füße, die Fußsohle in den Boden wirkt. Wenn ich mir Wurzeln in den Boden vorstelle, so wachsen diese zwar nicht. Aber diese Vorstellung, länger praktiziert, ermöglicht meinen Muskeln von sich aus diese optimale und entspannte Haltung einzunehmen. 

Da kommt jemand vorbei und denkt: Na ja, so ein leichter Ball... ich möchte mehr. Aber ich denke zurück, ja fang erst einmal an, mit diesem Ball und stehe so etwas länger mit entspannten Muskeln. Mehr geht später immer noch. Ich benutze nicht die großen und dicken Aktionsmuskeln sondern die verborgenen Haltemuskeln, die mich mit ihrer Flexibilität schnell und stabile ausrichten, auch wenn vielleicht jemand an mir zieht oder schiebt. Jede Kraft von außen bewirkt meinerseits nur ein weiteres Sinken nach unten, durch meine Füße in den Boden, bringt mich nicht aus meine Balance.

 Und so einfach diese Übung ist, einfach nur stehen und den Ball halten, oder sich vorstellen den Ball zu halten, oder sich vorstellen den Mond zu halten, immer genau unter dem Objekt ausgerichtet, auch wenn dieses in Augenhöhe oder Schulterhöhe oder Brusthöhe oder noch niedriger gehalten wird. Erst dann, wenn ich es mir vorstellen kann und meine Muskeln wie von selbst anfangen sich entsprechend auszurichten, wenn ich sitze und meine Muskeln sich anfangen entsprechend auszurichten, kann ich auch anfangen danach zu suchen, wo dieses Vorstellungsbild angewendet werden kann. 

 Ich laufe die 24er Form und beobachte, wo Stellen sind, an denen ich scheinbar etwas anhebe, ob nun mit beiden Händen oder mit einer. Gleich am Beginn hebe ich meine Arme, zwar mit den Handflächen nach unten aber dem gleichen Vorstellungsbild. Gleich in der nächsten Figur, hebe ich meinen Arm aus der Ballhaltung diagonal vor meinem Körper an. Oft schiebe ich als Abwehr meinen Arm- und Handrücken noch vorn. Aber ich kann auch meine Handfläche nach oben halten, mit dem Ball darin, ob echt oder nur vorgestellt, anhebend. 

"Entspannungswelle" und "Ausrichtung zum Boden" 

Und schon sieht diese Figur der Form vielleicht wieder etwas anders aus wie sonst, ist mein Arm nicht so weit nach außen und weniger geöffnet, stehe ich mehr durch meinen vorderen Fuß, nicht bis über die Zehen hinweg gelehnt, ist meine Schulter, mein Ellenbogen mehr gesunken, mein Becken sitzt und mein unterer Rücken ist begradigt und entspannt. Auch mein Kopf ist mehr wie von oben hängend, denn auch mein Kopf ist wie eine Art Ball, eine Kugel, die ich von unten her durch meine Wirbelsäule nach oben halte, in dem ich direkt darunter bin und dadurch Hebel zu den Seiten vermeide. 


 Und nun komme ich zum scheinbaren Wiederspruch.

 Im Taijiquan gibt es den Spruch von den vier Unzen, die tausend Pfund bewegen. Aber das ist etwas widersprüchlich in sich, denn ich soll wegen Yin und Yang nicht eine Kraft mit einer Gegenkraft beantworten.

Nun halte ich den Ball, der durch die Erdanziehung nach unten wirkt, mit meiner Hand gegen. Aber das lässt sich auch nicht anders verwirklichen. Wenn ich den Ball anheben möchte, benötige ich die etwas größere Kraft um zu heben.

Der Spruch dagegen bezieht sich auf Partnerübungen oder die Anwendung im Kampf.

Wenn ich da der Kraft mit gleicher Kraft entgegenwirke, entsteht ein sogenannter "doppelter Fehler" und kein Ausgleich. Wenn also der/die andere zum Beispiel von oben auf meinen Arm drückt oder einfach nur mit seinem/ihrem Gewicht auflehnt und ich dann dagegen wirke, ihn/sie also quasi festhalte, so hat der/die andere die Kontrolle und macht mit mir, was er/sie will. Sollte ich dann auf die Idee kommen, den/die anderen mit Kraft von unten heraus wegzudrücken, so ist das nicht im Sinne der Prinzipien und der/die andere muss sich nur mehr auflehnen um es mir schwer zu machen.

Nein, im Gegenteil. Sobald ich die Kraft des/der anderen spüre, lasse ich sie ins Leere laufen, leite sie ab. Dann wird der/die andere auch schon aufhören sich auf mich zu lehnen. Das ist ein ganz schwer zu beherrschender Prozess, sich eben dann nicht zwischen Erde und dem/der anderem/n einklemmen zu lassen, damit diese/r dann seine/ihre volle, harte Kraft auf mich wirken lassen kann. Wenn der/die andere merken würde, dass da nichts festes Solides da ist, wird er/sie automatisch nachlassen um nicht selbst zu fallen. Und das ist dann der Moment, dieser also, wo der/die andere nachlässt, wo man vielleicht etwas hinzuaddieren kann an Kraft und ihn/sie in seiner/ihrer Stabilität erschüttertet, ihn/sie  also quasi "entwurzelt".  Ich lasse also Kraft erst wirken, wenn der/die andere seine/ihre Ausrichtung schon verloren hat und seine/ihre Kraft also in die andre Richtung, von mir weg wirkt.

Als Übung beginnt so etwas mit ganz kleinen Kräften und im Vertrauen mit dem Partner/der Partnerin und steigert sich dann, bis man auch mit stärkeren Kräften umgehe kann. 

Wenn sich also zwei Partner/innen gegenüber stehen, und beide leicht gegeneinander drücken, mit vier Unzen..., dann entsteht mit dem Üben ein Gefühl, als wenn ich unter dem/der anderen stehe. jeder der beiden Partner versucht dieses Gefühl dieses darunter Stehens zu erreichen. Und der/die, der/die seine Muskelketten schneller und gleichmäßiger entspannen gelernt hat, wird dieses Gefühl auch wirklich verspüren und den/die anderen dann ganz leicht von unten heraus von den Füßen hebeln können, als wenn der/die aus einem Stück wäre, weil dann der Hebel eben durch dessen/deren gesamten Körper wirkt.

Komme ich zum Ball zurück. Den Ball entspannt halten, als wenn ich darunter stehe, bewirkt etwas die Entwicklung dieser Haltemuskeln, wenn ich nicht in den Punkt investiere dass ich es mit roher Kraft tun möchte. Und dann entsteht dieses Vorstellungsbild. Und jeden Gegenstand, denn  ich hebe oder hoch halte, vermittelt mir dieses Bild, dass ich erst einmal darunter stehe und dann ganz leicht, mühelos, wie einen Partner/in bei den Übungen, diesen Gegenstand bewege, mit nur der minimal nötigsten Muskelanspannung und gerade durch meinen gesamten Körper verlaufender Kraftlinie, um die Hebel die da wirken zu minimieren. 

Das ist schon so viele Male beschrieben worden. Aber ich schreibe es hier noch einmal, damit ich es für mich selbst, in meine eigenen Worte fassend, noch einmal durchdacht habe. Und da kann sich auch jeder die eigenen Vorstellungsbilder entwickeln, die dann genau das ausdrücken, was die Bewegung mühelos macht und die Ausrichtung optimiert.

Zusammenfassend gesagt: steter Tropfen höhlt den Stein. Und "Entspannungswelle" und "Ausrichtung zum Boden" sind Beobachtungen und Vorstellungsbilder, die so lange geübt werden sollten, bis der Körper selbst ohne mein willentliches Eingreifen, in jedem Moment entsprechend reagiert. Sonst müsste ich ja wirklich jeden Muskel einzeln betrachten und beeinflussen.

 

 

Sonntag, 1. November 2020

Baduanjin - 8 Brokate


Sammlung meiner Beiträge zu den 8 Brokaten, so wie ich sie übe, damit sie so konzentriert zur Verfügung stehen:

Vorbereitung    linkv

1. Brokate        link1

2. Brokate        link2

3. Brokate        link3

4. Brokate        link4

5. Brokate        link5

6. Brokate        link6

7. Brokate        link7

8. Brokate        link8

Abschluss        linka

Sollte es Fragen dazu geben, bin ich gern bereit, etwas dazu zu schreiben.

Dienstag, 16. Juni 2020

8 Brokate – Abschlussübungen


„Abschlussübungen“




Bemerkungen:

In diesem blog geht es mir nicht darum, eine Anleitung zu schreiben. Vielmehr werde ich meine Gedanken, Beobachtungen und alles, was mir bemerkenswert erscheint, einfach niederschreiben. Ich verweise auf das Buch und nun auch auf das Video dazu.
Diese Übung werde ich 4 mal ausführen oder aber 7 mal, wie der Titel es sagt. Viele Bewegungen kommen immer wieder vor und sollen deshalb nur beim ersten Mal sehr ausführlich durchdacht werden.

Die Abschlussübungen, so wie sie hier beschrieben werden,  gibt es nur bei Jiao Guorui, soweit mir bekannt ist. Meist wird versucht, nach den Übungen eine Art Abschluss herzustellen. Oft sind es nur ein paar einfache Bewegungen. Manchmal auch nur ein gedankliches Loslassen und Entspannen. Ich empfinde diese letzten Bewegungen als wichtig und nehme sie gern mit dazu.

Auch die Abschlussübungen sehen recht einfach aus. Aber Einfachheit sollte mich nicht dazu verleiten, sie weniger genau zu bewegen, sowohl mit den Händen, als auch gedanklich.


Kurzer Ablauf:

- Reibe die Shenshu
- Schließe den Daimai
- Reibe das Dantian
- Wasche die Laogong
- Führe das Qi zum Ursprung zurück






- Reibe die Shenshu

 Nach der letzten Bewegung der 8 Brokatübung befinden sich meine Hände vor meinem Dantian und ich gehe nach links in einen schulterbreiten Stand. Meine Hände führe ich um meinen Körper herum nach hinten. Ich lege sie dann auf meinen unteren Rücken, meine Finger zeigen nach unten.
Abschluss bedeuten auch im Gedanken abschließen, heißt zur Ruhe kommen und die "Ernte einfahren".
Ich führe die Hände kreisförmig über meinen Rücken. Das sind die Stellen, wo innerlich die Nieren liegen. Meine Hände sind warm von den Übungen davor und ich spüre diese Wärme im Rücken. Jeder, der schon einmal Verspannungen im Rücken hatte, kennt dieses wärmende Entspannen gerade dieser Stelle. Ich bewege die Hände nach unten, etwas seitlich auseinander und dann wieder nach oben und zusammen. Mein ganzer Körper senkt und hebt sich dabei leicht.
So wie die Wärme in meinem Rücken zu bemerken ist, stelle ich mir vor, wie sie immer weiter in meinen Körper eindringt, den gesamten Beckenraum durchdringt, stelle ich mir vor, wie sich der Bereich entspannt und innerlich gestärkt und durchströmt wird.
Mein Rücken legt sich gegen die Hände, wenn sich mein Becken senkrecht nach unten setzt und nicht die Hände schieben meinen Rücken vor.
Diese Bewegung sollte 4mal ausgeführt werde. Oft bewege ich diese auch 8mal, weil es so entspannend ist.





- Schließe den Daimai

 Dann nach einem Moment der Ruhe, richten sich meine Fingerspitzen nach vorn aus und meine Hände schieben, streichen nach vorn, entlang der "Gürtellinie". Das spüre ich als eine Art Schließen.
Diese Bewegung ist relativ langsam und ich spüre jeden Punkt über den meine Hände streichen, bis sie sich vorn auf meine Mitte, das Dantian zusammenlegen.
Meine Hände liegen übereinander und natürlich ergibt sich daraus die Frage, welche über welcher liegt. Aber dazu gibt es mehrere Aussagen und ich versuche es oft "natürlich" sich selbst ermitteln zu lassen. Aber es wird empfohlen, auch mal die andere Möglichkeit zu versuche, um eine gewisse Symmetrie zu erreichen.



- Reibe das Dantian

Meine Hände liegen nun über dem Bereich den ich als meine Mitte bezeiche. Je länger ich mich schon im Taiji bewege, desto deutlicher wird für mich, wo sich dieser Punkt befindet, also von innen heraus. Dazu gibt es Bilder und es gibt auch die Aufspaltung in 3 Dantian, wenn jemand entsprechend etwas bemerkt. Für mich kein abgeschlossener Prozess, den ich nicht willentlich forcieren möchte, ohne entsprechende innere Wahrnehmungen zu erkennen.
Ein leichtes Sinken im Inneren leitet das leichte Sinken meiner Hände ein, nach rechts unten beginnend. Ich führe meine Hände in einem von 4 Kreisen, jeder etwas größer werdend, um meine Mitte herum. Und nach einer kurzen Ruhepause, deren Länge ich angemessen empfinde, beginne ich mit einem kleinen Sinken nach links unten 4 Keise, die immer kleiner werden, bis sich meine Hände wieder über meiner Mitte befinden.
Das ist eine äußere Bewegung meiner Hände. Aber im Laufe der Zeit meines täglichen Übens, bemerke ich es mehr als nur an der Oberfläche, gedanklich wirken meine Hände in meinen Bauchraum hinein und dann auch bis in meine Extremitäten, breitet sich wellenförmig Entspannung aus. Es ist fast so, als wenn meine Mitte gleichzeitig um meine Hände kreist obwohl sie sich sichtlich nicht bewegt. Ich reibe meine Hände deutlich spürend über meinen Bauch, manchmal aber auch sehr leicht aufgelegt, oder aber auch mit geringem Abstand zum Bauch hin, immer noch diese Vorstellung der Berührung, des Reibens mir vorstellend.




- Wasche die Laogong

Nach einer kurzen Ruhepause, bewegen sich meine Hände in Bogenlinien vor meinen Körper nach oben bis Brustmitte, die Handflächen aufeinander zu, ohne sich zu berühren.
Ich entspanne, lasse meine Ellenbogen sinken, spüre aber diesen horizontalen Kreis durch meine Arme, so dass die Hände einen doppelten, handbreit Abstand vor meinem Körper haben. Dabei blicke ich geradeaus nach vorn und gleichzeitig innerlich in meine Mitte, meinen gesamten Körper wahrnehmend.
Dann sinke ich etwas und dabei sinkt auch meine linke Hand etwas nach unten. Gleichzeitig steigt meine rechte Hand etwas nach oben. Das ist etwas Balance und das Erspüren, dass meine linke Hand etwas "Fülle" hat und meine rechte Hand "leerer" wirkt.
Dann wechsel ich die Seiten und lasse meine rechte Hand sinken und meine linke Hand steigen.
Meine Handflächen streichen aneinander vorbei, ohne sich direkt zu berühren.
Ich spüre die Wärme meiner Hände in der jeweils gegenüberliegenden Handfläche, wenn sie aneinender vorbeikommen.
Und auch wieder ist es ein Bewegen im gesamten Körper, was ich mit längerer Übungspraxis immer deutlicher spüre. Dazu bemerke ich auch meinen stabilen, verwurzelten Stand
Dieser Übungsabschnitt besteht aus 4 solcher auf- und abwärts streichender Bewegungen. Manchmal gefallen sie mir so gut, dass ich sie dann auch 8mal ausführe.





















- Führe das Qi zum Ursprung zurück

Ich spüre ja dieses leichte Schließen der Hände, ohne dass sie sich berühren. Nachdem nun meine Hände wieder  in Ruhe nebeneinander in Brusthöhe verweilen, löse ich dieses Schließen auf und meine Handflächen neigen sich nach unten, trenne sich und bewegen sich auf Kreisbögen nach außen zu den Seiten, um dann dort langsam nach unten zu sinken und sich am Ende wieder neben meinem Körper zueinander zu wenden. Kurz bevor sie unten angekommen sind, schließe ich auch meinen Schritt, setze meinen linken Fuß zum rechten zurück, so dass ich wieder in meiner Grundhaltung mit den Händen an den Seiten stehe.
Dieses letzte Schließen verdeutlicht sich mir auch als Abschluss meiner Übung und dem Einsammeln meiner Erfahrungen und "Früchte". Es ist etwa so, als wenn ich mir meine Jacke angezogen habe, sie jetzt vorn schließe und dann in meinen Alltag zurückkehre, der manchmal auch etwas kühl und widrig sein könnte ohne dass mich das direkt berührt, weil ich ja meine Jacke angezogen und geschlossen habe, ohne dass ich dadurch allerdings meine Wahrnehmung der Außenwelt abschirmen würde.


Kommt jetzt die große Zusammenfassung der 8 Brokate?

Ohne alles Gesagte noch einmal zu wiederholen, möchte ich nur anmerken, dass ich mir als Ziel gesetzt hatte, die 1000te Wiederholung anzustreben, ohne sie je gezählt zu haben ( also fast 3 Jahre immer morgens mit einigen Ausnahmen, wenn es nicht passte, zeitlich oder auch örtlich...)
Erst bei genügenden Wiederholungen, bei mehr oder auch mal weniger Aufmerksamkeit auf diesen Übungen, entsteht eine Wahrnehmung derselben, die intensiver und mehr von innen betrachte werden kann. Und immer noch entdecke ich beim Nachlesen im Buch etwas, dass sich lohnt mit hinein zu nehmen. Es wäre übertrieben gleich mit allen Hinweisen komplett zu beginnen. Manchmal ist es besser, auch einfach nur ohne weitere Gedanken zu üben, sich eher treiben zu lassen ist genauso wichtig wie das genauere Hinsehen auf Details an anderen Tagen.




(*) Jiao Guorui "Die 8 Brokatübungen", Medizinisch Literarische Verlagsgesellschaft Uelzen, 1996
jetzt: Verlag: Mediengruppe Oberfranken; Auflage: 8


DVD - Die 8 Brokate - Video mit Jiao Guorui Deutsch DVD



Video bei YouTube: von anderen Übenden:

Frau Sylvie Roucoulès - zimisart


Herr Sandro Di Terlizzi




Übersicht der Beiträge:


  1. Brokatübung: https://krabbenhueter.blogspot.com/2020/03/8-brokate-ubung1-halte-das-universum.html
  2. Brokatübung: https://krabbenhueter.blogspot.com/2020/04/8-brokate-ubung-2-den-bogen-spannen.html